Das Wort zum Sonntag

Weitblick

Als Autofahrer besteht die Gefahr nur bis zum Ende der Kühlerhaube zu schauen anstatt die Straße in den Blick zu nehmen. Der verkürzte Blick hinderte an einer ruhigen und zielorientierten Fahrt. – So ist es ja auch im Leben.

Wer nur kurzfristig reagiert, ist zwar ständig und aufgeregt in Bewegung, aber kommt nicht wirklich voran.

Wir erleben das in der Politik: Wöchentlich werden neue Maßnahmen erwogen, aber oft fehlt die weitsichtige Perspektive. Wohin soll die Fahrt eigentlich gehen? Bei vielen macht sich eine hinderliche Unruhe und schließlich Verdrossenheit breit. – Nur unterwegs sein, bringt noch längst nicht voran. Es kommt auf das vorausschauende Fahren an, auf Weitblick. Und das gilt auch für unsere Lebensfahrt.

An diese Erfahrung werde ich erinnert, wenn ich beim Propheten Jesaja im 2. Kapitel lese: „In künftigen Tagen steht fest gegründet der Berg des Hauses Jahwes, unseres Gottes. Dann strömen zum ihm alle Heiden und kommen viele Völker. Denn von Zion ergeht Weisung und das Wort Jahwes von Jerusalem. Dann richtet er zwischen den Heiden und bescheidet vielen Völkern. Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflügen und ihre Lanzen zu Winzermessern. Nie mehr erhebt Volk wider Volk das Schwert, noch lernt man ferner das Kriegen.“

In diesen Sätzen kommt eine wunderbare Zuversicht zur Sprache, wie sie uns heute fast abhanden gekommen ist. Wo wir auch hinhören: Immer sind es negative Nachrichten, die uns erreichen. – Unser Lebensgefühl soll wirklich negativ bestimmt sein? Dabei muss keiner unter uns Hunger leiden. Wir haben ein Sozialsystem mit Altersversorgung, auch wenn da neue oder ergänzende Schritte getan sein müssen. Auch wenn der Sozialstaat weiter demontiert wird und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft.

Die Gemeinde Gottes darf sich immer darauf einlassen: Ihr Herr ist ein Freund, Schützer und Förderer des Lebens. Bei dem ganzen nationalen Machtstreben sollen wir nicht vergessen, wem die Macht gehört und sich an keine Heimat binden, die doch keine ist. Die Macht ist doch nur geliehen.

Was der Prophet verheißen darf, ist in dem Kommen unseres Herrn Jesus Christus endgültig verbürgt. In Jesus Christus sind alle Gottesverheißungen Ja und Amen, Gott zum Lobe. So steht es geschrieben dem ist nichts hinzuzufügen. „Es wird geschehen“, so beginnt der Prophetenspruch. Da gibt’s es kein Wanken, Wackeln oder unsicheres „Ja, aber“. Dass es in Gesellschaft und Politik eine große Unsicherheit im Blick auf die Zukunft und ihre Gestaltung durch den Menschen gibt, steht außer Frage. Wir sind manchmal auf dem Holzweg.

Der Prophet Jesaja spricht von einer Zukunft, in der die Herrschaft des Herrn vor aller Welt offenbar wird, unbestritten und eindeutig: Hass, Krieg und Leid, Feindschaft und Unrecht werden ein Ende haben.

Pastor Frank-Peter Schultz 

Ev.-luth. Kirchengemeinde Oldenstadt-Groß Liedern

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