Das Wort zum Sonntag

Wer fängt an?

Eine Erzählung von Ernest Hemingway berührt mich immer wieder. Sie spielt in Spanien. Dort beschließt ein Vater, sich mit seinem Sohn zu versöhnen, der nach Madrid durchgebrannt war. Nach den Jahren des Schweigens will der Vater endlich wieder Frieden.

Aber wie kann der alte Herr mit seinem Sohn wieder in Kontakt kommen? Er findet einen interessanten Weg. In eine Madrider Zeitung setzt er folgende große Annonce: „Paco, komm Dienstag Nachmittag ins Hotel Montana. Es ist alles vergeben! Papa. “Nun muss man wissen, dass Paco in Spanien ein weit verbreiteter Name ist. Als der Vater also am Dienstag Nachmittag zu dem Platz kommt, an dem das Hotel liegt, warten dort bereits achthundert junge Männer mit dem Namen Paco auf ihn. Haben wirklich achthundert junge Leute nur auf ein Versöhnungszeichen ihres Vaters gewartet? Warten bis heute viele Söhne und Töchter auf das Signal der Vergebung oder wenigstens des Verständnisses? Vielleicht hat Hemingway bewusst übertrieben. Man weiß, dass der Schriftsteller sich selbst brennend nach der Versöhnung mit seinem Vater gesehnt hat. Könnte es nicht sein, dass wir den Wunsch nach Versöhnung zu oft unterschätzen? Trauen wir der Kraft der Vergebung nichts mehr zu? Sind die Fronten vielleicht nur zu verhärtet? - Wie wäre es, wenn Sie heute so ein Versöhnungssignal aussenden würden? Ein Versuch wäre es wert. Was könnte daraus entstehen in der verfahrenen Beziehung? Vielleicht setzt das eine Spirale der Verständigung in Gang. Es ist allemal besser, ein kleines Licht anzuzünden, als über die finsteren Konfliktherde dieser Welt zu lamentieren. Wer die Versöhnungsspur gefunden hat, wird anders für den Frieden weltweit beten. Christen in Uelzen haben angefangen, die Zeit samstags zum Abendläuten für ein Friedensgebet zu nutzen.

Ich höre Jesus sagen: Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. (Matthäus 5,9) 

Rainer Döllefeld ist Pastor der Baptistengemeinde „Friedenskirche“ Uelzen

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