Das Wort zum Sonntag

Wo lässt du denken?

„Wo ist denn deine Pappnase?“, frage ich Hannes erstaunt, als wir uns begegnen. „Du bist doch sonst immer so ein Karnevals-Fan gewesen. “ – „Hatt’ sich was mit Pappnase“, brummt mir Hannes entgegen. „Da vergeht einem doch der Spaß.

Brauchst nur den Fernseher anzumachen: überall Ärger und Skandale – und schuld sind immer die anderen. “ „Ach ja“, überlege ich. „Das war doch schon immer so. Da kannst du in die Bibel schauen. Es ging schon los bei Kain und Abel. Und richtig rund geht’s da in den Psalmen. Immer wieder schimpft der ,Gerechte‘ , der da betet und leidet, auf die ,Ungerechten‘, denen es trotz ihrer Schandtaten viel zu gut geht. Ja, die ihn vielleicht noch verspotten oder angreifen. – Nimm zum Beispiel Psalm 31: ,Verstummen sollen die Lügenmäuler, die da reden wider den Gerechten frech, stolz und höhnisch‘, wünscht sich der Mensch, der den Psalm betet und weiß, wo er Hilfe bekommt: ,Sei mir ein starker Fels!‘, bittet er Gott. Das ist übrigens der Wochenspruch. “ „Klar“, unterbricht mich Hannes, „dass deine Bibel wieder alles in Ordnung bringt. Aber da muss man auch vorsichtig sein. Das hat mir gerade die Tage jemand erzählt. “ – „Na, sag’ mal, Hannes, was ist denn los mit dir, dass du so schnell auf irgend welche Geschichten anspringst? Wo lässt du denn denken? Im Fernsehen oder in der Zeitung oder bei deinen Stammtischbrüdern? Versuch doch mal, selbst einen Blick für die Dinge zu bekommen. Ich habe da eine gute Idee: Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Mach doch mal mit bei ,7 Wochen ohne‘. Dieses Jahr ist das Motto ,Selber denken – 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten‘. Ich werde es versuchen. Und wenn du zu Ende gegrummelt hast, kannst du ja mal im Internet nachschauen: www.7wochenohne.evangelisch.de."

Von Uwe Mestmäcker

Uwe Mestmäcker ist Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rosche.

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