Videobeweis: So bewegt sich ein Wolfsrudel auf einem Feld bei Brambostel

Wolfsrudel im Kreis Uelzen: „Aufstellung zur Jagd“

Vier der fünf Wölfe im Bild.
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Vier der fünf Wölfe im Bild.

Brambostel. Für Landwirt Helge Johannes ist es ein Wechselbad der Gefühle: „Es ist endlich gelungen, das normale Verhalten der hiesigen Wölfe auf einem Video festzuhalten."

Johannes ist froh, dass er nun den Videobeweis von einem Wolfsrudel im Landkreis Uelzen in den Händen hält. Das gab es so noch nie. Andererseits verstärke eben dieses Video die Ängste und Sorgen, die bereits seit Monaten in Brambostel umgehen würden, sagt er.

Die Aufnahmen entstanden am Donnerstagmorgen, 26. März, im Schutz der Fahrerkabine einer Zugmaschine in der Gemarkung Brambostel. Auf dem Feld des Landwirts. Die fünf Tiere kommen aus Richtung Osten, vom Truppenübungsplatz Munster, und durchstreifen das Kreisgebiet gen Westen Richtung Eimke. Sie nähern sich dem landwirtschaftlichen Gerät, ein Tier fällt etwas zurück. Die Wölfe flankieren den Trecker, ziehen an ihm vorbei und bleiben schließlich stehen – halten Blickkontakt mit dem Fahrzeugführer. Dann scheint es so, als würden die Tiere ihren Streifzug ungerührt fortsetzen wollen, bleiben Sekunden später jedoch erneut stehen. Auch der Nachzügler hat aufgeschlossen, blickt nun ebenfalls Richtung Fahrerkabine. Von Angst oder Nervosität bei den Tieren – keine Spur. Der Treckermotor läuft. Wie laut dieser dröhnt, ist bereits klar, als zu Beginn des Videos eine Scheibe der Fahrerkabine hochgeklappt wird.

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Dutzende Male habe sich der Landwirt das Video angesehen. „Meiner Meinung nach ist das kein einfaches Vorbeiziehen an der Zugmaschine, es ist die klassische Aufstellung zur Jagd. Die Wölfe bilden einen Halbkreis, machen die Fluchtwege zu und einer geht auf die potenzielle Beute zu.“ Je öfter man sich diese Sequenz gezielt ansehe, desto mehr steche dieses Jagdverhalten hervor, erklärt Johannes. „Das stellt sich mir persönlich so dar.“

Auch die fehlende Menschenscheu, nicht nur von Einzeltieren, sondern von dem gesamten Rudel, gibt dem Brambosteler zu denken. Bisher sei stets von der Neugier lediglich einzelner Jungtiere im Landkreis Uelzen gesprochen worden. Das Video widerlege dies eindeutig.

Vorsichtsmaßnahmen gedenkt Johannes nicht zu treffen, denn die „Vorsicht war schon vorher da“. – „Wir wussten vom Wolf“. Der Winter war feucht, sagt Johannes. Auf den Sandwegen seien jede Woche in einem Radius von 1000 Metern um den Ort immer wieder Wolfsfährten zu sehen gewesen.

Lebensqualität auf dem Lande bedeute, so Johannes, dass Kinder sich frei in der Natur bewegen könnten. „Das findet bei uns schon seit Monaten nicht mehr statt. Wir können uns hier gar nicht mehr normal frei bewegen.“ Die Angst sei zu groß. Und am meisten zu schaffen mache dem Landwirt, dass diese Angst in der öffentlichen Debatte zu weit runtergespielt werde.

Von Michael Koch

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