Diskussion in Hanstedt II: Besucher berichten aus dem Alltag und hören viel über EU-Bestimmungen

Der Wolf wird zum Politikum

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Bei der Diskussion wurde ein Video gezeigt, wie ein Wolf an einem Auto vorbeiläuft, ohne dass sich das Tier an dem Fahrzeug und den filmenden Insassen störte.

Uelzen-Hanstedt II. Wölfe streifen durch Niedersachsen. Sie finden Partner, ziehen ihren Nachwuchs groß, reißen Wildtiere, Schafe und Kühe. Menschen berichten immer häufiger von Wolfsbegegnungen – es besteht die Sorge, dass es Übergriffe geben könnte.

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Den Streifzug der Wölfe durch das Land vermag nur die Politik zu bremsen. Das zumindest sagt Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft und Agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Am Montag ist er auf Einladung des CDU-Kreisverbandes zu einer Diskussionsrunde zum Wolf nach Hanstedt II gekommen. Und nicht nur er – auch rund 100 Interessierte, darunter Weidetierhalter, Jäger und Wolfsbeauftragte.

Dammann-Tamke ist derzeit öfter zu Gast bei Diskussionsrunden zum Wolf – „sie laufen wie geschnitten Brot“, sagt er am Montag. Zu spüren sei, wie nahe den Menschen das Thema gehe. Zu Beginn der Veranstaltung spricht er als Präsident der Landesjägerschaft, will Daten und Fakten zum Wolf liefern. Das kann die Landesjägerschaft. Sie ist mit dem Wolfsmonitoring beauftragt. Sie sammelt damit Wolfssichtungen, analysiert Risse und beschäftigt sich mit der Ausbreitung und dem Verhalten der Tiere.

Dammann-Tamke nennt am Montag Zahlen wie 31 Wolfsrudel, die 2014 ihre Reviere in Deutschland gehabt haben sollen, er zeigt ein Video, wie ein Wolf an einem Auto vorbeiläuft, als Beleg für den Verlust der Scheu der Tiere, um dann auch auf die gesetzlichen Bestimmungen einzugehen. Demnach steht der Wolf unter besonderem Schutz, ist auf europäischer Ebene bei der sogenannten FFH-Richtlinie in der Anlage 4 aufgeführt. Das heißt: Er darf nicht bejagt werden. Und: Der Wolf soll die Möglichkeit haben sich fortzupflanzen – bis zu 1000 Individuen. Dabei würden der westliche und der östliche Teil Europas getrennt betrachtet, so Dammann-Tamke.

Was diese Regelungen für das Leben in der Heide bedeuten, brachten dann jene zum Ausdruck, die den Weg nach Hanstedt II gefunden hatten. Jochen Rehse für die Weidetierhalter: „Wir haben ständig Kontakt mit den Wölfen. Die letzten zehn Wolfsrisse aus sieben Landkreisen sind noch gar nicht veröffentlicht“, sagt er. Sabine Kassebaum vom Bezirksverein Lüneburg für Ponys und Kleinpferde bringt vor, dass den Ponybesitzern bei Rissen keine Entschädigung zustehe, und Richtlinien für eine sichere Umzäunung gebe es auch nicht. Patrick Fischer ärgert sich darüber, dass angefahrene Wölfe über Stunden leiden müssten, weil erst Ämter zu benachrichtigen seien. Das sei also Tierschutz, meint er und bekommt Applaus. Aus einem der Besucher spricht die Sorge, dass Wölfe Kinder angreifen könnten. „Was ist, wenn ein Kind auf einem Pony einem Wolf begegnet, das Pony scheut und das Kind herunterfällt? Setzt der Wolf das Kind dann wieder auf das Pony?“, fragt er.

Dammann-Tamke hört all die Einlassungen und antwortet – diesmal als Politiker. Denn an der Politik, sagt er, sei es, auf die Situation zu reagieren. Durch sie könne erreicht werden, dass der Wolf in die Anlage 5 der FFH-Richtlinie rutsche, damit nicht mehr unter dem besonderen Schutz stehe. Durch ein Wolfsmanagement sei es dann möglich einzugreifen – „was am Ende des Tages auch die Aufnahme in das Jagdrecht bedeutet“. Es gehe aber nicht darum, den Wolf wieder völlig auszurotten, sondern um die Frage, wo die Wölfe leben und wie sie wieder Respekt vor dem Menschen bekommen. Dieser politische Weg sei „sehr sehr zäh und bürokratisch“.

Aber auf was, fragt ein Zuhörer, wolle die Politik warten, um zu diese Beschlüsse zu fassen. „Dass Menschen zu Schaden kommen?“ Dammann-Tamke malt ein düsteres Bild: Derzeit sehe er im Bundestag keine Mehrheit dafür, den Schutz des Wolfes anzutasten. Das Ganze „muss wohl erst mal gegen die Wand fahren“, sagt er.

Von Norman Reuter

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