Karsten Scheele-Krogull zum Bauboom in Uelzen

Wohnraum in der Stadt heiß begehrt

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„Die Marktlage zeigt sich daran, dass viele Neubauten entstehen“ – Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull weiß von Bauunternehmern, dass attraktive Wohnungen oft schon verkauft sind, bevor sie gebaut sind. Insbesondere der Innenstadtbereich ist derzeit beliebt.

Uelzen. Ebstorfer Straße, Schuhstraße, das ehemalige Tennis-Gelände an der Bernhard Nigebur Straße, das Alte Katasteramt – nur eine Auswahl der Bauplätze, auf denen derzeit in Uelzen rege gebaut wird.

Was steckt hinter diesen Bauvorhaben? Die AZ hat dazu mit Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull gesprochen.

Für den Stadtbaurat erfüllt sich in der aktuellen Entwicklung ein altes Ziel: Die Uelzener Innenstadt zu stärken. Seit den 1980er Jahren, berichtet er, sei es das stadtplanerische Ziel, diese als Wohnstandort zu beleben und dadurch eine höhere Frequenz im Innenstadtbereich zu erzielen. Die Infrastruktur soll besser ausgelastet und insbesondere Einzel- und Lebensmittelhandel gefördert werden.

Lange lief diesem Ziel das Interesse der Bürger komplett entgegen: „Von 1990 bis 2000 und weit darüber hinaus wollten die Leute raus aufs Land“, berichtet Scheele-Krogull und erinnert an die Neubaugebiete, die beispielsweise in Groß Liedern, Westerweyhe und am Eschenkamp entstanden. „Wir mussten reagieren“, schildert er den Umgang der Stadt mit diesem Interesse. Das Einfamilienhaus auf der „grünen Wiese“ sei das Nonplusultra schlechthin gewesen, 60 bis 80 Grundstücke habe die Stadt im Jahr verkaufen können.

„Das hat sich komplett gewandelt“, berichtet Scheele-Krogull von einer umgekehrten Nachfrage. Haus oder Wohnung in der Innenstadt würden inzwischen als ideal gelten, meint Scheele-Krogull und veranschaulicht dies mit einem Hamburg-Bild: „Vorne Mönckebergstraße, hinten Planten und Blomen.“ Also vorne der Trubel einer belebten Innenstadt mit Cafés, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Hinten: Ruhe. Grün ohne großen Pflegeaufwand. Eine Terrasse, um mit Familie und Freunden zu grillen und die Sonne zu genießen.

"Es wird in den nächsten Jahren noch viel passieren."- Karsten Scheele-Krogull

„Balkone und Terrassen – das ist wichtig“, erklärt Scheele Krogull und ergänzt: „Ohne wird gar nicht mehr gebaut.“ Fest steht für ihn, der die momentanen Bauvorhaben, ohne Zahlen zu nennen, als besonders umfangreich einstuft, dass der „Druck auf die Innenstadt eindeutig größer“ wird. „Die Leute warten auf attraktiven Wohnraum.“

Das gelte sowohl für jene, die ihr Haus im Kreisgebiet im Alter gegen eine Wohnung in der Innenstadt tauschten, aber auch für solche, die etwa aus Lüneburg oder Hamburg zuzögen, weiß Scheele-Krogull einen einsetzenden Trend. Es gebe die Leute, die sich in Bezug auf die Miet- oder Kaufpreise in Hamburg und Lüneburg sagten „Das muss ich nicht mehr haben.“ Und gerade im Zusammenspiel mit der Bahnhofsnähe würden die Uelzener Preise, die Scheele-Krogull als „irrwitzig niedrig“ bezeichnet, sehr geschätzt.

Eine neue Wohnung mit 80 Quadratmetern könne man in Uelzen für rund 200 000 Euro erwerben, der Mietpreis liege bei rund 10 Euro pro Quadratmeter, bei älterem Bestand teilweise auch unter 6 Euro. Kurzum: Auch wenn neuer Wohnraum eher von Besserverdienern nachgefragt werde, sei nicht günstiger, sondern attraktiver Wohnraum das, was Uelzen brauche.

Insgesamt sieht der Stadtbaurat in der derzeitigen Entwicklung auch eine persönliche Einschätzung bestätigt. Schon vor langem habe es geheißen, dass eine Stadt wie Uelzen sich kaum gegen das Abwandern seiner Bewohner stemmen können werde. „Aber“, meint der Stadtbaurat, „ich habe mir das nie vorstellen können – und die derzeitigen Zuwächse geben mir Recht.“ Tatsächlich nimmt die Bevölkerung in der Stadt leicht zu, im Kreis hingegen seit Jahren ab (Kasten).

Karsten Scheele-Krogull ist sich in Bezug auf die weitere Entwicklung der Innenstadt sicher: „Es wird in den nächsten Jahren noch viel passieren.“ Besondere Bedeutung habe das Förderprogramm „Uelzen 2025 – Altstadt mit Zukunft“. Drei Millionen Euro stehen bereit, um Sanierungen im Innenstadtbereich zu fördern (AZ berichtete). „Wenn man bedenkt, dass die drei Millionen nur die bezuschussten 20 bis 30 Prozent ausmachen, kommt man schnell auf zwölf Millionen, die in die Sanierung der Innenstadt fließen“, rechnet Scheele-Krogull vor.

Die Voraussetzung dafür sei aber, dass die Förderungen auch abgerufen würden. „Ich glaube, die Zeit ist reif. Die Leute sehen, dass der hochwertige Wohnraum in der Innenstadt nachgefragt wird und werden das Förderprogramm als Chance begreifen“, meint Scheele-Krogull, für den auch jetziges Kreishaus und Polizeiwache künftig attraktiven Wohnraum darstellen könnten.

Eine lebendige Innenstadt, in der jung und alt flanieren – durchaus auch um den bisher nur angedachten Ilmenausee –, Menschen, die shoppen und Essen gehen, ein Hauch Italien, ein bisschen Rom – „das wäre doch toll“, meint Karsten Scheele-Krogull.

Von Steffen Kahl

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