Wie wohnen Flüchtlinge? Die Uelzener wollen es wissen

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Uelzen. Unter großem Interesse der Bevölkerung ist am Donnerstag die bislang größte Flüchtlingsunterkunft in der Stadt Uelzen öffentlich vorgestellt worden.

Rund 200 Uelzener sind der Einladung des Landkreises zum Tag der offenen Tür vor der Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft an der Nothmannstraße gefolgt, begutachteten die Räume und tauschten sich rund um das Thema Flüchtlingsunterbringung und -hilfe aus. Bevor die Besucher das Gebäude betraten, sprach Landrat Dr. Heiko Blume im Zusammenhang mit den im Landkreis ankommenden Flüchtlingen von einer großen Aufgabe. „Das Erste ist das Dach über dem Kopf, danach ist es eine soziale Aufgabe. Wir haben die Hoffnung, dass alles friedlich bleibt und sich alle an unsere Spielregeln halten“, sagte Blume. DRK-Geschäftsführer Heinz Meierhoff ergänzte: „Das muss und soll ein Wir werden – ich wünsche mir ein gutes Miteinander von Bewohnern, uns, dem DRK, als Betreiber sowie den Anwohnern. Die Bitte an die Menschen im Wohnumfeld ist, dass sie sich um Begegnung bemühen und dass so Akzeptanz entsteht.“ Die Signale hierfür seien positiv, berichtete Michael Voigt, beim DRK Fachbereichsleiter für Kinder, Familie, Jugend und Soziales: „Es gibt eine Unterstützergruppe und auch von nicht organisierten Anwohnern viele Nachfragen, wie man helfen kann und konkrete Vorschläge für Angebote wie Nähkurse, Spieleabende und Deutschkurse. Dazu kommt, dass die Spendenbereitschaft überwältigend war und viel Material zusammengekommen ist. Wir haben für den Start nächste Woche optimale Voraussetzungen!“ Noch sind die Räume zwar nicht vollständig hergerichtet, aber die Besucher konnten sich in einzelnen eingerichteten Räumen trotzdem ein Bild davon machen, wie die Flüchtlinge leben werden. Dieter Kluge fand es „toll, was hier in kurzer Zeit geschaffen wurde. Ich denke, dass es die Leute hier gut haben werden.“ Seine Frau Christin ergänzte: „Schön, dass die Leute Privatsphäre haben werden. Ich dachte, dass sie in einem großen Saal untergebracht würden.“ Inge Plumhoff, im Oktober 1947 als kleines Mädchen selbst als Flüchtlingskind in Gütersloh gelandet, zeigt sich begeistert von der Ausstattung der Unterkunft: „Ich finde das so toll für diese Menschen! Wir waren damals in einem Viehstall untergebracht und mussten froh sein, überhaupt irgendwo unterzukommen, meine Mutter mit vier Kindern wollte niemand.“ Uwe Liestmann, Erster Kreisrat, freut sich über die Resonanz der Bevölkerung: „Ich bin sehr überrascht, dass so viele gekommen sind.“ Gerüchten, dass an der Nothmannstraße nur Frauen und Kinder untergebracht würden, korrigierte er. Der Landkreis habe keinen Einfluss auf die Zuweisung.

Von Steffen Kahl

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