Altersstruktur und Nachwuchsmangel: Schützenvereine im Landkreis kämpfen um Mitglieder

Wohin marschieren die Schützen?

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Bogensport im Programm: Die Bienenbütteler Schützen haben vor acht Jahren eine Bogensportgruppe eröffnet und freuen sich über neue Mitglieder.

Uelzen/Landkreis. Die Schützen aus Kallenbrock machen sich Sorgen um die Zahl und die Altersstruktur ihrer Mitglieder (die AZ berichtete).

Damit stehen sie nicht alleine: Seit Jahren gehen die Mitgliederzahlen in den Schützenvereinen zurück, pro Jahr um mehr als 20 000 Personen bundesweit – was dem Volumen eines mittleren Landesverbandes des Deutschen Schützenbundes (DSB) entspricht. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat das Präsidium des DSB eine gemeinsame Initiative der Landesverbände im DSB sowie des Bundesverbands ins Leben gerufen. Mit dem Projekt „Ziel im Visier – Zukunft Schützenverein“ wollen sie die Funktionsträger in den Vereinen bei der Werbung neuer Mitglieder unterstützen. Mit Informationen und Ideen, mit Aktionsbeispielen, Textvorlagen und vielem mehr. Mit dabei sind auch die Schützengilden und -vereine aus dem Landkreis Uelzen.

• Der Schützengilde Uelzen liegt viel daran, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. „Wir haben das Programm in den letzten Jahren schon gestrafft“, schildert Stadthauptmann Christian Wulf. Innerhalb der Gilde wird sogar über eine Terminänderung für das Schützenfest nachgedacht: „Viele Leute fahren in den Pfingsturlaub“, begründet Wulf die Überlegungen. Seit drei Jahren ist die Mitgliederzahl konstant, doch die Aktion „Ziel im Visier“ unterstützen die Gildemitglieder auf jeden Fall. „Nachwuchs brauchen wir immer“, sagt Schießoffizier Lothar Seidel. Mit gezielten Aktionen wie einem Tag der offenen Tür oder eben dem Schützenfest werden in jedem Jahr neue Mitglieder gewonnen. Ein neues Lichtpunktgewehr dient als Übungsmittel für die Jugendlichen.

• Die Anschaffung eines Lichtpunktgewehrs lobt auch Meik Behrens, Vorsitzender des Schützenvereins Bohlsen. Die Mitgliederentwicklung des Vereins bewegt sich entgegen des bundesweiten Trends: Vor zehn Jahren zählten die Bohlsener noch 140 Mitglieder, inzwischen sind es 175. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Behrens besonders mit Blick auf die jahrelange Arbeit der Jugendwarte. Gleich zwei kümmern sich um den Nachwuchs. Außerdem arbeitet der Verein mit den Nachbarn aus Melzingen zusammen und stellen mit einem weiteren Schützen aus Ebstorf eine Landesliga-Mannschaft.

• Die älteste Gilde im Landkreis Uelzen ist die Bevenser Gilde mit Burghard Willing an der Spitze. Er sieht die Problematik entspannt, denn „wir haben das Problem schon vor Jahren erkannt und gegengesteuert“. Vor fünf Jahren wurde bereits das Schützenfest umgestaltet und mehr für den Vereinsbeitrag geboten. „Die Mitgliederzahlen sind konstant“, sagt Willing, sieht aber auch einen Vorteil gegenüber den kleinen Dörfern.

• Matthias Kruskop, erster Gildeherr der Bienenbütteler Gilde, kann ebenfalls nicht klagen: „Bei uns sieht es gut aus.“ Die Bienenbütteler waren vor acht Jahren die ersten, die eine Bogensportgruppe eingerichtet haben. „Damals wurden wir belächelt“, weiß Kruskop. Heute hingegen wird der Bogensport als Trendsportart erkannt (siehe grüner Kasten). Die Bienenbütteler haben dadurch viele Jugendliche gewonnen. Ein Hinderungsgrund sei, dass heute viele junge Leute keine Uniform mehr anziehen wollen. Beim Bogensport liegt aber der Schwerpunkt auf dem Sport an sich. „Bei den Schützen zählt eben auch die Geselligkeit“, schildert Kruskop. Auch die Tatsache, inwiefern Frauen mit in einen Schützenverein eingebunden werden, spielt für Kruskop eine große Rolle: „Manche Vereine lassen keine Frauen zu.“ Bei der Aktion „Ziel im Visier“ wollen die Bienenbütteler mitmachen.

• Bad Bodenteichs Gildeoberst Oberst Holger Köhnecke hingegen kennt die Aktion gar nicht. Aber: Kein Wunder, weil die Bad Bodenteicher Gilde nicht im Deutschen Schützenbund, sondern im Deutschen Kyffhäuserbund organisiert ist. Was den Nachwuchsmangel angeht, so sind zwar auch bei Köhnecke Sorgen vorhanden, aber in den letzten Jahren ist es der Gilde sogar gelungen, neue Mitglieder zu binden. Und dass, obwohl Köhnecke betont, dass in Vordergrund nicht etwa der Schießsport steht, sondern die Brauchtumspflege. Und so freuen sich die Bad Bodenteicher über einen leichten Zuwachs.

• Dietrich Zarft, erster Gildeherr der Schützengilde Ebstorf, zählt aktuell 284 Mitglieder. „Wir sind seit 15 Jahren dabei, dass wir uns ständig verändern“, erklärt Zarft. Er versteht den Auftrag der Gilde auch darin, dafür zu sorgen, dass sich die Ebstorfer Einwohner begegnen. „Wir schaffen es, die Bevölkerung abzuholen“, sagt Zarft mit Blick auf das Schützenfest und andere Veranstaltungen. In diesem Jahr freut er sich über sechs Neueintritte. Arbeitsgruppen erarbeiten immer neue Aktionen, damit die Schützengilde attraktiv bleibt.

Von Jörn Nolting

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