Verein muss Gebäude spätestens Ende 2019 räumen / Neues Zuhause ist schwer zu finden

Wohin mit der Jugendhilfe in Uelzen?

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Dieter Kratzert, Geschäftsführer des Vereins Jugendhilfe, vor dem Gebäude in der Ripdorfer Straße, das den Pädagogen seit 1992 als Arbeitsstätte dient.

Uelzen. Wie geht man mit straffälligen Jugendlichen um? Ab in den Jugendknast? Oder an die Hand nehmen, den Ursachen und Problemen auf den Grund gehen? ´Letzteres praktiziert der Verein Jugendhilfe Uelzen seit mittlerweile 36 Jahren.

Und das mit ausgesprochen beachtlichem Erfolg. „Die Rückfallquote bei jugendlichen Straftätern, die inhaftiert werden, liegt bei 80 bis 85 Prozent. Wir haben eine Rückfallquote von 38 Prozent“, berichtet Dieter Kratzert, Geschäftsführer des Vereins.

Vier Hauptamtliche kümmern sich intensiv um die Jugendlichen, die dem Verein hauptsächlich vom Gericht zugeteilt werden. Dies sind rund 40 pro Jahr, hinzukommen diejenigen, deren Betreuung nach einem Jahr noch nicht abgeschlossen ist, und diejenigen, die dem Verein vom Jugendamt zugewiesen werden. „Jährlich haben wir deshalb rund 60 Jugendliche, die wir betreuen“, erklärt Kratzert.

Der Erfolg des Vereins fuße dabei auf zwei Säulen, erklärt Kratzert. Zum einen die pädagogische Einzelbetreuung, bei der der Betreuer auch mal zum Schuldenberater werden kann oder den Jugendlichen aus dem Bett zur Schule schleift, zum anderen die Gruppenarbeit. In dieser wird zum Beispiel gehandwerkt was das Zeug hält. Sei es Möbelrestauration, Bootsbau oder – wie aktuell – das Schrauben an Trial-Motorrädern. „Die Jugendlichen sehen so, dass wir nicht nur quatschen, so wird eine Beziehung aufgebaut und sie lernen wichtige Sachen, wie etwa Durchhaltevermögen“, beschreibt Kratzert.

Da ist es gut, dass das Gebäude in der Ripdorfer Straße 33, in dem die Jugendhilfe ihr Domizil hat, über einen großen Werkstattbereich mit verschiedenen Maschinen verfügt. Doch das Haus der Jugendhilfe muss spätestens am 31. Dezember 2019 geräumt werden – dann endet der Mietvertrag.

„Wir machen uns jetzt schon Sorgen und müssen uns Gedanken um die Zukunft machen“, sagt Kratzert. Und diese Sorgen sind durchaus berechtigt. Denn ein neues Gebäude zu finden, dürfte nicht einfach werden – schon gar nicht ein gleichwertiges. Denn das neue Domizil müsste sowohl Büros, als auch Sanitäranlagen, einen Küchenbereich und eben eine Werkstatt umfassen. Dazu muss die Lage stimmen. Kratzert: „Die Jugendlichen müssen uns auch erreichen können, zentrumsnah wäre deshalb schon nötig.“

Hinzu kommt das dritte Problem: Die Finanzen. In dem 1992 umgebauten Gebäude „wohnt“ der Verein derzeit zu sehr günstigen Konditionen. Ein Deal mit der Stadt, der das Gebäude gehörte, machte es möglich: Der Verein schoss seinerzeit Bundesfördermittel in Höhe von 280 000 Mark für den Umbau des Gebäudes hinzu, diese „wohne man nun ab“, sagt der Geschäftsführer. Ob ähnliche Konditionen auch im neuen Gebäude möglich sind, kann nur die Zukunft zeigen.

Fakt ist, dass das Haushaltsvolumen des Vereins von rund 300 000 Euro pro Jahr schon jetzt nicht allein durch die Fördergelder von Land, Landkreis und Stadt abgedeckt werden kann, erklärt Kratzert. Von dem Beiträgen der nur 70 Mitglieder schon gar nicht. Immer wieder müssten deshalb auch Sponsoren angeworben werden, wenn es etwa um Anschaffungen wie ein Trial-Motorrad geht.

Der anstehende Umzug dürfte die Lage also noch verschärfen. Zumal höchstwahrscheinlich auch Umbaumaßnahmen anstehen werden und die Stadt – soviel scheint sicher – kein passendes Gebäude zur Verfügung stellen kann. Kratzert: „Hätten sie etwas, hätten sie sich schon gemeldet, so gut arbeiten wir zusammen.“ Und so hofft er auch auf Unterstützung und Tipps aus der Öffentlichkeit, damit der Verein möglichst schnell durchatmen und entspannt in die Zukunft schauen kann.

Von Steffen Schmidt

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