Die Wochenrevue von Thomas Mitzlaff

Lama to go

Es waren die Minuten, in denen es totenstill wurde im Bad Bevenser Zelt am Park. Keiner der mehr als 300 Gäste klatschte oder traute sich nur zu husten.

Als Katara und Kilkenny ihren Auftritt hatten, war endgültig klar – Veranstaltungsmanager Gerhard Kreutz hat mal wieder einen Clou gelandet. Seine Idee, das Veranstaltungsprogramm 2015 unter dem Titel „Ein Jahr in 100 Minuten“ zu präsentieren, traf ins Schwarze.

Und während der tierische Auftritt unter dem Motto „“ über die Bühne lief, während Mitarbeiter der Psychiatrischen Klinik Häcklingen in ABBA-Kostümen einen Ausschnitt des aktuellen Musicals zeigten, stellt sich der Betrachter die Frage, warum eigentlich so ein Paukenschlag in der Kurstadt Bad Bevensen möglich ist und nicht in der Kreisstadt Uelzen.

Statt nur stumpf ein Veranstaltungsprogramm zu drucken und auszulegen, lud die Bad Bevensen Marketing die Entscheidungsträger, die Vertreter von Politik, Wirtschaft und Tourismus ein, das neue Jahr gemeinsam anzugehen. Bei einer eindrucksvollen Präsentation und vielen Gesprächen bekamen die Zuschauer einen Eindruck davon, was alles geplant ist in diesem Jahr in ihrer Stadt, so die regelmäßigen Lama-Auftritte im Kurpark – doch tatsächlich waren die 100 Minuten im Zelt plus „Nachspielzeit“ viel mehr. Sie verbreiteten Aufbruchstimmung zu Beginn einer neuen Saison, sie vermitteln den vielen Menschen, die in verschiedensten Funktionen so wichtig sind für die Weiterentwicklung ihrer Kurstadt, ein Wir-Gefühl. Gemeinsam muss man wirken, um in einem knallharten bundesweiten Markt im Kampf um Gäste bestehen zu können – das war die Botschaft vom Dienstagabend.

Besuch aus Uelzen war fast gar nicht im Zelt im Kurpark – und das ist schade gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn so eindrucksvoll der Abend war, so schonungslos führte er vor Augen, was der Uhlenköperstadt fehlt, um endlich in die Spur zu kommen. Es fehlt die zündende Idee, es fehlt das Zusammengehörigkeitsgefühl, der Stolz auf die eigene Stadt, der so viel bewirkt für das eigene Selbstverständnis.

Da sind die Kulturschaffenden, die sich natürlich rührend bemühen, aber zumeist unter ihresgleichen sind. Da gibt es die Stadtführerinnen, die so viel leisten für ihre Heimatstadt, aber die für die hiesige Öffentlichkeit doch eher im Verborgenen wirken.

Uelzen braucht sich bei seinem Kulturprogramm sicher nicht hinter Bad Bevensen zu verstecken. Doch jeder werkelt vor sich hin, es fehlt die ordnende Hand, die alles bündelt und präsentiert.

Und da taucht zwangsläufig die Frage auf, wie es sein kann, dass ein City-Manager seit gefühlten Monaten abgetaucht ist und in diesem Jahr bislang nur durch eine verbale Abrechnung mit der Stadtverwaltung „glänzte“, hatte Gerhard Kreutz den Auftritt der beiden vierbeinigen Besucher am Dienstagabend launig genannt. Ein griffiger Slogan. An „“ werden sich die Besucher des Abends in diesem Jahr noch häufig erinnern und mit einem Lächeln durch ihre Kurstadt gehen. Und womöglich beinahe mitleidig auf die große Nachbarstadt Uelzen schauen, die weiter vor sich hindümpelt.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller, Steffen

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