21. Dezember 2012: Verschwörungstheoretiker sehen unser Ende – Weltanschauungsbeauftragter Ehlbeck zweifelt

Wird die Sonne Uelzen zum Verhängnis?

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Am 21. Dezember, also zur alljährlichen Wintersonnenwende, ist 2012 eine sehr ungewöhnliche und seltene Planetenkonstellation vorzufinden. Die galaktische und die solare Ebene befinden sich laut Experten dann in Konjunktion. Das passiert nur etwa alle 26 000 Jahre.

Uelzen/Landkreis. Weihnachtsgeschenke kaufen ist überflüssig, die Gartenarbeit kann man auch getrost liegen lassen und was am Silvesterabend auf den Tisch kommt, ist erst recht egal. Gerade einmal noch einen Monat dauert es, dann geht die Welt unter.

Das sagen Verschwörungstheoretiker auf dem ganzen Globus. Ja, auch mit der Uhlenköperstadt ist es dann vorbei. Die Uelzener sehen’s aber scheinbar gelassen.

Darüber Aufschluss gibt zumindest ein Anruf bei der Uelzener Versicherung. Gegen zahlreiche Not- und Lebenslagen können sich Interessierte dort versichern lassen. Anfragen zu einer Versicherung für den Weltuntergang gab es in der Uelzener Niederlassung aber bisher noch nicht. Das teilte Vertriebsleiter Stefan Maurer auf AZ-Nachfrage mit. „Auch deutschlandweit ist mir da nichts bekannt“, berichtet Maurer. Der AZ-Redaktion liegen ebenfalls keinerlei Terminhinweise vor, die auf eine „Das war’s“-Party im Verbreitungsgebiet schließen lassen.

Dennoch hält sich die geradezu prophetische Vorhersage standhaft: Am 21. Dezember 2012 geht die Welt unter. Wie genau, darüber wissen wir jedoch nichts. Erfahren haben wollen zahlreiche selbsternannte Experten das nahende Ende aller Tage durch einen Kalender der alten Maya. Dennoch: Bitte keine Panik beim Lesen dieser Zeilen! Die meisten Archäologen, Astronomen, ebenso die NASA und auch heutigen Maya gehen davon aus, dass am 21. Dezember 2012 in Puncto Jüngstes Gericht rein gar nichts passiert. Alltäglich wird der Tag dennoch nicht. Aus astronomischer Sicht kann in der Tat etwas Außergewöhnliches beobachtet werden: Am 21. Dezember, also zur alljährlichen Wintersonnenwende, ist 2012 eine sehr ungewöhnliche und seltene Planetenkonstellation vorzufinden. Die galaktische und die solare Ebene befinden sich laut Experten dann in Konjunktion. Immerhin: Dies geschieht nur gut alle 26 000 Jahre.

Tatsächlich ist das mit Weltuntergängen so eine Sache: Einer der Ersten wurde für den 31. Dezember des Jahres 999 vorausgesagt, aber auch am 5. November 2013, 17. März 2089 und 30. Februar 2219 soll es mit dem Blauen Planeten zu Ende gehen. Welcher „Das Ende ist nah“-Marktschreier hat denn nun Recht? Und warum erlebt der jetzt aktuell anstehende Weltuntergang einen solchen Hype? Schließlich hatte ja selbst Regisseur Roland Emmerich in seinem „2012“ den Planeten geschreddert und geflutet. Der Weltanschauungsbeauftragte für den Kirchenkreis Uelzen, Erwin Ehlbeck, vermutet Geschäftemacherei: „Angst vor dem Ende haben viele.“ Das Volk der Maya und ihre Ansichten spielten laut Ehlbeck in der Religionskultur Europas stets eine untergeordnete bis gar keine Rolle. „Was jetzt ist, kommt aus einer ganz fremden Kultur“, schildert der Berufsschul-Diakon. „Weltuntergänge, wenn man sie denn so nennen möchte, sind auch weniger bei den Maya als vielmehr im Christentum verwurzelt“, so Ehlbeck. Aus dem Ende des Maya-Kalenders auch das Ende der Welt abzuleiten, sei also eine Mixtur beider Glaubensrichtungen. Der Weltuntergang wurde seit Anbeginn der Christenheit vorhergesagt, weiß Ehlbeck. Eschatologie, also die „Lehre vom Ende“, ist der theologische Begriff dafür. „Je häufiger die Vorhersagen falsch waren, desto stärker wurden diese nach Außen verlagert. Daraus sind viele Glaubensrichtungen entsprungen“, sagt Ehlbeck. Die Zeugen Jehovas und die Mormonen nennt der Weltanschauungsbeauftragte als Beispiele.

Dass die Menschheit am 21. Dezember ihren letzten Atemzug machen wird, bezweifelt der Diakon: „Daran glaube ich nicht.“ Für Skeptiker und jene, die auf Nummer sicher gehen wollen: Es gibt sie doch, die Versicherung gegen den Weltuntergang. Ein Blick ins Internet beweist es. Dort finden Interessierte „Die weltweit erste Versicherung gegen den Weltuntergang“ zum Preis von 49,98 Euro, zuzüglich Versandkosten. Die Deckungssumme beträgt eine Million US-Dollar, umgerechnet derzeit also etwa knapp 800 000 Euro. Die Crux an der Versicherung: Die Summe wird nur bei einem tatsächlichen Weltuntergang ausgezahlt und auch erst nach Ablauf von 48 Stunden nach Eintreten des Armageddons. Der Wert einer derartigen Versicherung ist daher sicher fraglich. Da täuscht auch nicht das zum Angebot gehörende T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich überlebte den Weltuntergang 2012“ hinweg.

Von Michael Koch

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