Mediterranes Kulturfest: Hunderte Uelzener genossen den italienischen Abend auf den Marktstraßen

Wirbel um die Unterwäsche

Die Veerßer Straße wurde zum Canale grande: In Gondeln fuhren zunächst die Schauspieler, später probierten es auch die Uelzener.

Uelzen. Lange weiße Unterhosen, rosa Schlüpfer, schwarze Tangas – die Auswahl an Unterwäsche an den Leinen über den Uelzener Marktstraßen am vergangenen Samstagabend ist groß – und die Begeisterung des Publikums für diese Dekoration ebenso.

Anfangs beobachten die Passanten noch vorsichtig das Treiben, aber dann lassen sich immer mehr Neugierige von der fröhlichen mediterranen Stimmung auf der Veerßer und Lüneburger Straße einladen. Schließlich nehmen hunderte Menschen an den 180 Biertischen Platz, trinken Wein und genießen Pizza und Antipasti oder bestellen Essen bei den anliegenden Restaurants.

Je länger die Darsteller vom Zebra Stelzentheater in München die Zuschauer animieren, ihnen beim Aufhängen der insgesamt 1500 Wäschestücke zu helfen, desto lockerer wird auch das Verhältnis der Uelzener zu riesengroßen Feinripp-Unterhosen – am späten Abend werden an mehreren Tischen schließlich BH’s und Höschen geschwenkt. Ein Mädchen kommt angelaufen, ruft „Ich will einen BH“, schnappt sich das gute Stück und ist genauso schnell wieder weg. Ein anderes Pärchen hat es auf einen pinkfarbenen Slip abgesehen und zieht kichernd weiter. Die neunjährige Christina Berz reicht den Stelzenläufern Wäsche entgegen. Ob sie schon jemals solche Unterwäsche aufgehängt hat? Nein, sagt sie und lacht.

„Es ist schön, dass Uelzen das Kulturfest anbietet“, freut sich Kerstin Duwe an einem der Tische auf der Lüneburger Straße – vor sich einen dampfenden Teller. Nur „ein bisschen mehr Musik“ hat sie erwartet. Auch Christian Kienbaum ist sich mit seinen Freunden auf der Veerßer Straße einig, dass es ein gelungener Abend ist, aber: „Es wäre schön, wenn man noch italienische Musik hätte“, sagt auch er.

Live-Musik war wie angekündigt auch geplant. Aber die beiden Gitarristen sind nicht gekommen, berichtet Citymanager Joachim Lotz. Sie hätten wegen der hohen Regen-Wahrscheinlichkeit einfach abgesagt. „Aus so etwas lernt man ja, so werde ich es nicht mehr machen, das nächste Mal frage ich lieber Vollprofis“, betont Lotz. Stattdessen greifen am Samstagabend die Darsteller vom Nonsenso Aktionstheater Köln zu Tamburin und Drumsticks, animieren die Zuschauer zum Mitmachen und singen italienische Lieder. Immer wieder erklingt außerdem das „O sole mio“ der Venezianischen Gondolieri. Mario Michalak und seine Kollegen fahren mit jeweils zwei Gondeln die Straßen auf und ab. Am Vormittag während des Wochenmarktes sind es noch die Mitglieder der Theater-Gruppe, die sich in den beiden Gondeln über die unsichtbaren Wellen gleiten lassen. Am Abend freuen sich Kinder und Erwachsene darüber, eine erste Gondel-Fahrt in Uelzen zu erleben. Marlis Meyer ist begeistert von der Idee: „Ich finde das toll mit den Gondloieri. Ich lasse mich ein bisschen Treiben und von dem Feeling einfangen.“

Die Gruppe um Emma Riggert wird auch einfach selbst aktiv und stimmt ein Lied nach dem anderen an. Vor ihnen liegen noch wenige Panzarotto, mit Hackfleisch gefüllte Hefeteigtaschen, die an einem der Stände angeboten werden. Nach Meinung von Christine Schwenke, Mariola und Marieke Palt und Stefanie Basener pendelt sich das mediterrane Stimmungbarometer auf einer Skala zwischen 1 und 10 bei einer guten 9 ein. Auch aus Sicht des Italieners Salvatore Ciná ist der Titel „Bella Italia“ für den Abend in der Innenstadt nicht zu hoch gegriffen. „Für das erste Mal ist es sehr gut gelungen, finde ich“, erklärt er – und verkauft eines der letzten Arancina, mit Hackfleisch und Erbsen gefüllte Reisbällchen.

Einige der Abend-Gäste sind auch am Sonntagmorgen beim Stadtfrühstück zu sehen. Punkt 10 Uhr stehen statt Antipasti Brötchen, Käse, Marmelade, Kaffee und Sekt auf den Tischen. Bis der Regen anfängt, sitzen die hunderte Gäste zum „urigen Frühstück“ zusammen, wie zum Beispiel Renate Kramme es nennt.

Die Veranstalter, der Kulturkreis Uelzen und das Citymanagement, sind zufrieden mit dem ersten Wochenende im kunterbunten Kultur-Fest. „Die Stimmung war ja traumhaft“, sind sich Joachim Lotz und Kulturkreis-Vorsitzender Georg Lipinsky einig. „Der italienische Abend ist wesentlich besser gelaufen, als ich gedacht habe“, erklärt Lotz.

Eine Fotogalerie vom Kultur-Fest finden Sie auch im Internet unter

Von Diane Baatani

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