Kolumne: Wort zum Sonntag

„Wir nehmen uns viel zu wichtig“

In den vergangenen Wochen habe ich mich mehrfach mit biblischen Texten beschäftigt, die sonst eher selten in den Blick geraten. Manche dieser Sätze und Aussagen sind richtig irritierend. Beim Prediger Salomo – im Alten Testament – stehen solche Sätze.

Sie stellen alles infrage, was sonst so selbstverständlich erscheint. „All unser Mühen, all unsere Anstrengung, all unsere Tatkraft, all unsere Torheit aber auch Weisheit ist nur eitel und ein Haschen nach Wind.“ Der, der das geschrieben hat, macht sich keine Illusionen. Im Kern sagt er: Wir nehmen uns viel zu wichtig! Wir halten uns für großartig mit unserer Planerei und unseren Erkenntnissen. Und dann vergessen wir, was wirklich zählt, was wirklich wichtig ist. Ein Kollege von mir, ein echter Kümmerer, ist immer für alle da. Er nimmt seinen Beruf ernst, er hilft auch noch persönlich aus, wenn irgendwo Not am Mann ist. Nun ist seine Mutter schwer erkrankt. Es kostet große Mühe, ihn davon zu überzeugen, dass dort – bei seiner Mutter - jetzt sein Platz ist. „Nein – du kommst nicht ins Büro! Nein - es geht hier auch ohne dich! Bleib da, wo du jetzt gebraucht wirst!“ Warum ist es nur manchmal so schwierig, jemanden auf das blicken zu lassen, was wirklich zählt? Warum lasse ich mich von der Oberflächlichkeit schneller beeindrucken? Warum zählen auch für mich berufliche Erfolge, gesellschaftliche Anerkennung oder gar neidvolle Kommentare mehr als das wirklich Wichtige? Ist das nicht alles nur ein Haschen nach Wind? Das, was wirklich zählt, ist doch etwas anderes, etwas Dauerhaftes – vielleicht sogar etwas Himmlisches: Gültigkeit behält das, was wir ohne Eitelkeit verschenken an Liebe, an Zeit, an Zärtlichkeit, an Aufrichtigkeit. Das zählt über den Tag hinaus und macht das Leben wertvoll.

Albert Wieblitz ist Landespastor für Ehrenamtliche im Haus kirchlicher Dienste Hannover.

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