„Wir erwarten Signale“

Heinz Beger aus dem thüringischen Rauenstein galt als Sinnbild des Landarztes: Erst mit 88 Jahren gab er seine Tätigkeit auf. 45 Jahre war er Arzt auf dem Dorf. Archivfoto: dpa

tm Uelzen. Der SoVD Kreisverband begrüßt die jetzt in Gang gesetzte Diskussion über die ärztliche Versorgung im Kreisgebiet. „Wir haben fast 7000 Mitglieder über 60 Jahre. Viele von ihnen sind nicht mehr mobil oder können nur unter Schwierigkeiten Arztbesuche über Verwandte oder Nachbarn organisieren.

Für uns liegt es auf der Hand, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, um gerade für Ältere die hausärztliche Versorgung sicherzustellen“, betont der 1. Kreisvorsitzende Karl-Otto Constien.

Lesen Sie dazu auch:

Ein Lichtblick in der Einsamkeit

Krankenwagen statt Hausarzt vor Ort

Allein die mangelnde Attraktivität für junge Ärzte, in der Fläche zu praktizieren, dürfe nicht zu Versorgungslücken führen. Diese Unterversorgung träfe insbesondere bettlägerige, chronisch kranke, pflegebedürftige und ältere Patienten. Der Sprecher der niedergelassenen Ärzte im Bezirk, Holger Schmidt, hatte in der AZ vor einem langsamen Sterben der Praxen und einem drohenden Ärztemangel im Uelzener Kreisgebiet gewarnt. Sollte nicht gegengesteuert werden, wären medizinische Zentren in Uelzen und Bad Bevensen denkbar, hatte Schmidt ein „Horror-Szenario“ gemalt – den typischen Landarzt gäbe es dann nicht mehr. Vor allem für ältere Menschen könnte das zum Problem werden. Nicht nur, weil der dadurch erforderliche mehrfache Arztwechsel eine subjektive Unsicherheit bei den älteren Patienten mit sich bringen könnte, sondern weil Menschen im hohen Alter oftmals nicht mehr so mobil wären, um diese medizinischen Zentren aufzusuchen, hatte Schmidt befürchtet.

„Es gibt durchaus mehrere, kombinierbare Handlungsmöglichkeiten. Einerseits muss die Niederlassung von Hausärzten im Landkreis Uelzen begünstigt werden, andererseits ist sicherzustellen, dass Patienten Mobilitätsangebote zur Verfügung stehen, mit denen sie eine Hausarztpraxis unter zumutbaren Umständen auch tatsächlich erreichen können“, fordert dazu die 2. SoVD-Kreisvorsitzende Katja Krüger. Die von Allgemeinmediziner Schmidt dargestellten Vorschläge hält der SoVD für einen guten Ansatz.

Krüger weist auf das jüngst vom Land vorgestellte „Regionale Versorgungskonzept“ hin. „Dieses Konzept muss für unseren Kreis konkrete Gestalt annehmen. Durch die Unterversorgung im südlichen und östlichen Kreisgebiet und den Mangel an gezielten Angeboten im öffentlichen Personennahverkehr ist der Landkreis gut beraten, zügig in die Planung und Strukturierung einzusteigen“, mahnt Constien an. „Auch kleine Schritte, wie barrierefreie Praxen oder die Bereitstellung einer mobilen Arztpraxis, die für die Grundversorgung die Dörfer anfährt, sind hier schon hilfreich“, betont Krüger.

Der SoVD hat erfahren, dass es bereits in drei Landkreisen Pilotprojekte für ein Versorgungskonzept gebe. „Ideen zur Umsetzung gibt es, also muss auch im Kreis Uelzen umgehend gehandelt werden“, so die Vorsitzenden.

Der SoVD wünsche und erwarte eindeutige Signale aus der hiesigen Kreispolitik in diese Richtung.

Kommentare