Nächste Woche weiterhin windig und nasskalt / Sibirische Kaltluft rückt näher

Kreis Uelzen: Winter-Fans können hoffen

Die ersten Kraniche sind zu sehen: Kein Wunder, denn die erste Monatshälfte war 4,8 Grad zu mild, sagt AZ-Wettermann Reinhard Zakrzewski. In der kommenden Woche werden es voraussichtlich wieder tagsüber etwa fünf Grad sein. Foto: dpa

Uelzen/Landkreis. Laue Lüfte vom Atlantik seit Anfang Dezember, dazu viel Wind und immer wieder Regen, Regen, Regen: In den Straßenmeistereien reichen die Streusalzvorräte noch bis unter die Decke und in der Natur herrscht allenthalben Frühlingserwachen.

Nicht nur die Pollen sind schon unterwegs, sondern auch die Wildgänse, die es viel zu früh aus ihren Winterquartieren zurück in den Norden zieht. Stellt sich zur Halbzeit der kalten Jahreszeit die Frage: Kommt der Winter überhaupt noch in Fahrt?.

Nach dem im Kreis Uelzen um 3,3 Grad zu warmen und fast neunzig Prozent zu feuchten Dezember, war der Januar bis zur Monatsmitte um 4,8 Grad zu mild, wobei die Niederschläge schon mehr als das gesamte Monatssoll erreichten.

Wegen der Klimaerwärmung sind sehr milde und feuchte Winter seit Ende der 1980er Jahre keine Seltenheit mehr. Extrem frost- und schneearm waren zwischen Aller und Elbe die Winter 1888/89, 1999/2000 und zuletzt 2006/07. Noch zahmer gab sich der Winter 1974/75. Er war in Norddeutschland nicht nur der wärmste aller Zeiten, sondern mit weniger als fünf Schneedeckentagen (mindestens ein Zentimeter Höhe) auch gleichzeitig einer der schneeärmsten seit Beginn Aufzeichnungen. In der Kategorie „Grün angestrichen“ wurde er aber noch von den Wintern 1972/73 (ein Schneedeckentag) und 2007/08 getoppt. Letzterer blieb in weiten Teilen Norddeutschlands völlig schneefrei.

Nach den übereinstimmenden Prognosen verschiedener internationaler Wetterdienste, bleibt uns die auf nasskalt bis mild getrimmte atlantische Luftströmung weiterhin erhalten. Zwar deuten einzelne Modelläufe gelegentlich eine Umstellung der Wetterlage zu kalten Verhältnissen an, doch sind diese winterlichen Varianten zumeist schnell wieder vom Tisch.

Winterfreunde können aber noch hoffen: Derzeit ist sibirische Kaltluft nach Nordwestrussland unterwegs. Würde sich der dazugehörige massive sibirische Hochdruckkeil mit dem Azorenhoch verbinden, könnte Väterchen Frost mit östlichen Winden schnell vor unserer Tür stehen. Vorläufig halten die strammen Westwinde beide Druckgebilde aber noch auf Distanz. Damit ist dem Sibirienexpress der Weg nach Mitteleuropa (noch?) versperrt. Entsprechend findet der Winter, abgesehen von einigen Schneeregen und Graupelschauern am morgigen Freitag, bis auf weiteres nur in den Bergen oberhalb von etwa 600 bis 800 Meter statt. Wir Heidjer verbleiben – mit nur wenigen Temperaturschwankungen – bis weit in die kommende Woche hinein im windigen und nasskalten Bereich, mit Werten von etwa fünf Grad am Tag und bestenfalls geringen Minusgraden in der Nacht.

Am Ende des Tages brauchen wir uns über einen ins Wasser gefallenen Winter gar nicht zu wundern. Denn schon unsere Vorfahren wussten es: „Dezember veränderlich und lind, der ganze Winter wird ein Kind.“

Von Reinhard Zakrzewski

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