Vorrangstandorte: Politik berät Vorschläge der Verwaltung / Optionen diskutiert

Windrad bei Wald und Wild?

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Uelzen/Landkreis. Er hatte es schon geahnt und deshalb gleich im Vorfeld für einen großen Sitzungsraum gesorgt – und Heinz-Hermann Schulze (CDU) hatte Recht behalten: Rund 50 Zuhörer begrüßte der Vorsitzende des Ausschusses für Planung und Straßenbau des Landkreises zur Sitzung am Donnerstagabend.

Sie alle wollten wissen, wie die Politiker über Ausschluss- und Abstandskriterien für die Planung von Vorrangstandorten für Windkraftanlagen entscheiden.

Wie berichtet, schreibt der Landkreis Uelzen für diesen Bereich das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) fort – und steht derzeit noch ganz am Anfang des gesetzlich streng geregelten und komplexen Verfahrens. Unter anderem schlägt die Kreisverwaltung eine Vergrößerung der Abstände von Windparks zu Wohnsiedlungen auf 1000 Meter (früher: 500 bis 750 Meter) vor – bei gleichzeitigem Bestandsschutz für bereits bestehende Anlagen –, eine Mindestgröße der Windparks von 30 Hektarn und eine Mindestanzahl von drei Windrädern pro Park. Gleichzeitig wird eine Höhenbeschränkung von bislang 100 Metern Nabenhöhe vollständig aufgehoben.

Andreas Dobslaw (SPD) schlug außerdem vor, auch einen Abstand von 1500 Metern zwischen Windrädern und Wohngebäuden zu prüfen – wenngleich Joachim Partzsch, Leiter des Amtes für Bauordnung und Kreisplanung, zu bedenken gab, dass damit die Möglichkeiten stark eingeschränkt würden. Schließlich sollen die Windparks wiederum Abstände von fünf Kilometern zueinander haben. Die Ausschussmitglieder werden die Vorschläge nun in ihren Fraktionen und Gruppen beraten und am 11. Juli die Ausschlusskriterien festgelegt haben, damit daraus so genannte Potenzialflächen für Windkraft abgeleitet werden können.

Ziel der RROP-Änderung ist es, mehr Flächen für Windkraftanlagen auszuweisen – so fordert es ein Kreisausschuss-Beschluss vom März 2011. 0,6 Prozent des Landkreises Uelzen sind derzeit für Windenergieflächen reserviert, das sind etwa 800 Hektar. 112 Windräder gibt es derzeit im Kreisgebiet. Damit nun aber Platz für noch mehr Windkraftanlagen gefunden wird, sollte man nach Auffassung von Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) auch die Wälder als mögliche Standorte in den Blick nehmen. „Das Wild stört sich nicht daran“, befand er, „andere Bundesländer machen das schon längst und schützen damit den Menschen.“

Amtsleiter Partzsch gab allerdings zu bedenken, dass das Landesraumordnungprogramm (LROP) dies zurzeit nicht hergebe. Und es sehe so aus, als würde sich daran vorerst nichts ändern. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann nämlich hat Windrädern im Wald eine klare Absage erteilt und hat den Landtag dabei hinter sich.

Ausschussmitglied Peter-Uwe Breyer (CDU) derweil informierte am Beispiel des Windparks in Arendorf (Gemeinde Wriedel), dass dieser die Bewohner der anliegenden Dörfer stark beeinträchtige und Windkraft in Waldflächen Abhilfe schaffen könnte. „Der Wald“, so Breyer, „kann das ab.“

Von Ines Bräutigam

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