24 Vorrang-Flächen soll es im Landkreis künftig geben / Gewählte sehen weiteren Beratungsbedarf

Windkraft – die Politik rotiert noch

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Ein halbes Jahr nach der Atom-Katastrophe in Fukushima 2011 hatte die Kreispolitik sich aufgemacht, neue Windenergieflächen im Kreis auszuweisen. Eine Entscheidung, wo künftig auch noch Windräder aufgestellt werden können, steht aber immer noch aus.

Uelzen/Landkreis. Es ist ein langwieriger Abwägungsprozess, bei dem es um Gebietsgrößen, um mögliche Einschnitte für die Menschen und für die Natur, aber auch um bares Geld geht.

Seit fast vier Jahren arbeiten die Kreispolitik und die Verwaltung daran, neue Windenergieflächen im Landkreis Uelzen auszuweisen. Am Dienstagabend wollten die Mitglieder des Kreisausschusses nun eine verbindliche Entscheidung treffen. Doch der Tagesordnungspunkt wurde vertagt. Die Politik sah noch Beratungsbedarf. „Es ist ein so wichtiges Thema, dass wir alles noch mal genau prüfen wollen“, sagte gestern Jacques Voigtländer, Vorsitzender der SPD-Fraktion, auf AZ-Nachfrage.

Dem Kreisausschuss vorgelegt worden war ein Beschluss, den tags zuvor der Ausschuss für Planung und Straßenbau noch abgenickt hatte. Demnach soll sich die Zahl möglicher Standorte für Windräder im Landkreis fast verdoppeln. 13 Flächen waren bislang als Windvorrang-Flächen ausgewiesen, 24 sollen es künftig sein. Unter anderem in den Gemarkungen Barum, Aljarn, Suhlendorf, Schostorf, Hohenzethen, Dalldorf, Kakau und Hohnstorf sollen noch Windräder aufgestellt werden können.

Zusammengenommen umfassen die 24 Flächen ein Gebiet von 1980 Hektar. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtfläche des Landkreises von 1,36 Prozent. Zum Vergleich: Derzeit sind 826 Hektar als Windvorrang-Flächen ausgewiesen.

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"Bürger sollten Wind machen"

Die Auswahl der Gebiete ist das Resultat eines Beratungsprozesses der vergangenen Jahre, in denen sich die Kreispolitik schrittweise auf Kriterien verständigte, die von Windvorranggebieten erfüllt werden müssen. Berücksichtigung fand dabei ein Gutachten, das Aussagen zu möglichen Konsequenzen für die Natur und das Landschaftsbild traf (AZ berichtete). Von ursprünglich mehr als 60 in den Blick genommenen Gebieten blieben durch den Filter 21 übrig, was Grundstückseigentümer auf den Plan rief, deren Flächen ausgeschieden waren.

Der Landkreis berichtet von gut 20 solcher Gegengutachten zu diesen Gebieten, mit denen belegt werden sollte, dass sie sehr wohl als Windvorrangfläche taugen. Die Verwaltung prüfte die Gutachten und, wie es im Beschluss zu den Windenergieflächen heißt, sei es zu Veränderungen bei der Gebietskulisse gekommen. Heißt: Es wurden bereits ausgeschlossene Gebiete wieder berücksichtigt. Zuletzt änderte sich durch einen weiteren Filter noch einmal die Auswahl. Durch einen Mindestabstand von drei Kilometern zwischen den Windenergieflächen solle verhindert werden, dass Ortschaften von Windenergie-Anlagen „umzingelt“ werden, schilderte gestern Landrat Dr. Heiko Blume der AZ.

Ob all die Kriterien richtig gewählt sind, wollen die Fraktionen und Gruppen in den nächsten Tagen noch einmal erörtern. Dabei werde es auch noch einmal um den Mindestabstand zwischen den Windenergie-Flächen gehen, so Jacques Voigtländer. Gehe es nach den Flächeneigentümern, könne der Abstand gar nicht gering genug sein, denn mehr Flächen im Landkreis bedeuteten mehr Anlagen, mit denen sich Einnahmen generieren ließen. Voigtländer erinnerte aber auch an eine Empfehlung des Landes, wonach es zwischen den Windenergieanlagen einen Mindestabstand von fünf Kilometern geben sollte.

Der Landkreis Uelzen kündigte für den nächsten Dienstag einen Sonder-Kreisausschuss an, bei dem die verbindliche Entscheidung zu den Windenergieflächen nun getroffen werden soll. Dem Votum der Politik folgt dann die Öffentlichkeitsbeteiligung mit dem Auslegen der entsprechenden Unterlagen, so Landrat Heiko Blume.

Von Norman Reuter und Angelika Jansen

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