Tiere im Kreis Uelzen bilden größere Rudel und wandern in Randbereiche ab

Wild weicht dem Wolf aus

Heinrich Hellbrügge

Uelzen/Landkreis. Die zunehmende Ausbreitung des Wolfes im Kreis Uelzen wirkt sich bereits auf das Verhalten des Wildes aus. Besonders das Rotwild schließt sich aus Angst vor diesem Feind zu größeren Rudeln zusammen. „Dadurch erhöht sich das Sicherheitsgefühl der Tiere.

Viele Augen sehen besser als wenige“, erklärt Uelzens Stadtförster Thomas Göllner im AZ-Gespräch.

Bislang lebte das Rotwild in der Region zumeist in kleineren Gruppen von zehn bis 20 Tieren zusammen. Doch nun stellen die Jäger immer häufiger fest, dass sich Rudel von 50 oder mehr Tieren bilden. Das Wild wendet aber noch eine weitere Strategie an, um sich vor dem Wolf zu schützen: Es verändert sich räumlich. „Die Tiere wandert verstärkt aus ihren Kerngebieten, zum Beispiel aus der Göhrde und dem Süsing, in Randbereiche ab“, sagt Göllner.

Das bestätigt Uelzens Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge. Immer öfter tauche nun Rotwild in Grünhagen, Eitzen I und Beverbeck, also in angrenzenden Bereichen des Süsings, auf, erläutert Hellbrügge. Dort gebe es ausgedehnte Ackerflächen, auf denen die Tiere freie Sicht hätten und Wölfe schneller als im Wald erkennen könnten.

Auch Raps- und Maisflächen böten dem Wild größere Sicherheit. „Dort geht der Wolf nicht so gern rein, weil er da unbeholfen ist und sich nicht gut bewegen kann“, weiß der Kreisjägermeister. Die Kehrseite der Medaille: Die verstärkte Wildwanderung in Randgebiete habe mehr Schäden an der Vegetation durch Verbiss zur Folge.

Grundsätzlich stelle die Ausbreitung des Wolfes eine neue Herausforderung für das Wild dar. „Es kann nicht damit umgehen, weil es nicht weiß, was das für ein Tier ist und wie es sich verhält“, sagt Hellbrügge. Die Erfahrungen in anderen Bundesländern zeigten jedoch, dass sich das Wild mit der Zeit auf die Existenz des Wolfes einstelle und in seine ursprünglichen Gebiete zurückkehre. „Das wird aber bestimmt drei Jahre dauern“, glaubt Hellbrügge.

Unstrittig ist nach Ansicht von Experten, dass der Wolf zu einem dauerhaften Gast in der Region geworden ist. „Derzeit leben mindestens acht Wölfe im Landkreis Uelzen – und es werden mehr“, sagt Helmut Beuke, zuständiger Dezernent für Jagd beim Niedersächsischen Forstamt Oerrel. Denn es sei ziemlich sicher, dass eine Wolfsmutter im Kreisgebiet demnächst Nachwuchs bekommen werde.

Vor allem am westlichen und östlichen Rand des Landkreises leben Wölfe, nicht aber in der unmittelbaren Umgebung von Uelzen, berichtet Göllner. „Es gibt definitiv noch keine Wölfe im Stadtwald.“

Von Bernd Schossadowski

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