Das Wild trotzt dem Winter

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Trotz des vielen Schnees und der kalten Temperaturen leidet das Wild derzeit keine Not. Es findet noch genügend Nahrung und muss daher nicht gefüttert werden. Auch für Spaziergänger in den Uelzener Wäldern besteht kaum Gefahr durch Astbrüche.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. Des einen Freud, des anderen Leid: Während Hausbesitzer in diesem Winter über das tägliche Schneeschippen stöhnen, erfreuen sich Spaziergänger an der herrlich verschneiten Landschaft. Bislang ist ein Abstecher in den Uelzener Stadtwald nicht mit besonderen Risiken verbunden – von vereisten Wegen einmal abgesehen. „Es gibt zurzeit nur vereinzelte Astbrüche durch hohe Schneelasten, aber keine Eislast, Kronen- und Stammschäden oder erhöhte Gefahren für Fußgänger“, berichtet Stadtförster Thomas Göllner. „Bisher sind wir gut weggekommen.“

Zwar liege auf den Bäumen momentan eine Menge Schnee, „aber die Äste können dem eine ganze Weile standhalten“, weiß Göllner. Nur ältere Kiefern kapitulieren hin und wieder unter der weißen Last. Eine Warnung für den Waldbesuch spricht der Forst-Experte daher nicht aus – „jeder Spaziergänger sollte aber die übliche Vorsicht walten lassen.“ Vor allem gelte es, auf akustische Signale zu achten. „Wenn Astfasern brechen, kündigt sich das durch ein Knirschen und Knacken an. Dann sollte man sich schnell aus dem Gefahrenbereich entfernen“, rät Göllner.

Größere Auswirkungen des kalten Wetters auf das Wild in den heimischen Wäldern sieht Göllner derzeit ebenfalls nicht. „Der Schnee ist recht weich, das Wild kann ihn mit den Hufen wegscharren und noch genügend Nahrung im Waldboden finden“, sagt er.

Auch nach Ansicht von Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge ist die Situation des Wildes bislang nicht bedrohlich. Deshalb hat er auch noch keine Notzeit für den Kreis Uelzen angeordnet. In dieser Periode müssen die Jagdschutzberechtigten bestimmte gesetzliche Auflagen erfüllen: Sie müssen für eine ausreichende artgerechte Ernährung des Wildes sorgen – zum Beispiel mit Silage, Rüben und Heu – und dürfen die Tiere auf keinen Fall jagen.

„Bis jetzt haben wir einen ganz normalen Winter“, meint Hellbrügge. „Das Wild kommt noch überall an Futter heran.“ Sollte der Schnee allerdings verharschen oder es in den kommenden Tagen weiter schneien, könnten sich die Bedingungen für die Tiere verschlechtern. „Es kann passieren, dass das schon nächste Woche der Fall ist“, sagt Hellbrügge. Dann würde er die Notzeit anordnen. „Doch bis jetzt ist es noch nicht so weit.“

Darüber hinaus müssten die Jäger noch die üppigen Schwarzwildbestände in den Wäldern des Landkreises reduzieren. „Dazu brauchen wir noch den Januar“, erläutert Hellbrügge. Während einer Notzeit wäre das jedoch nicht möglich.

Viel wichtiger als das Füttern sei, das Wild nicht zu stören. Spaziergänger müssen daher unbedingt auf den Waldwegen bleiben und dürfen ihre Hunde nicht frei laufen lassen, betont Hellbrügge. Denn das Wild habe aufgrund der winterlichen Witterung seine Körperfunktionen deutlich heruntergefahren. „Wenn die Tiere flüchten müssen, verlieren sie viel Energie“, und das könne für sie tödlich enden, warnt der Kreisjägermeister.

Auch Förster Göllner füttert die frei lebenden Tiere im Uelzener Stadtwald natürlich nicht. Seine vierbeinigen Freunde im Wildgehege freuen sich dagegen in diesen kalten Tagen über ein paar stärkende Extra-Rationen. „Sie bekommen langfaseriges Futter, meistens Heu“, erklärt Göllner.

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