Wenn Politik sprachlos wird

Von Marc Rath - Mehr als 100 Interessierte kamen am Montag ins Uelzener Rathaus – die meisten gingen nach der zweistündigen Präsentation des Ukraine-Projekts nicht mit dem Gefühl nach Hause, umfassend informiert worden zu sein.

Der Kreiselternrat kritisierte zu Wochenbeginn die Kreisverwaltung – er fühlte sich bei der Elternbefragung für das Gutachten zur Schulentwicklung übergangen.

Wirtschaftsförderin Marlis Kämpfer ließ in dieser Woche durchblicken, dass es nicht nur die guten Nachrichten gibt, die der einzig verbliebene Landtagsabgeordnete gerne aus Hannover verbreitet: Just während Jörg Hillmer neueste Fördermillionen kommunizierte, kappte die Landesregierung einen wichtigen Zweig für die Unterstützung von Firmen im Landkreis.

Das sind gleich drei Beispiele aus einer Woche, die verschiedene Schieflagen im Miteinander von Politik, Verwaltung und Wählern offenbar werden lassen.

Besonders erstaunt hat viele Gäste der Ratssitzung am Montagabend, dass sich die Ratsmitglieder auf ihrer Sitzung weder mit Fragen noch mit Statements beteiligten. Da fühlten sich etliche Bürger nicht so recht ernst genommen und repräsentiert. Eine ältere Besucherin entlud ihren Ärger auf der Treppe: „Alle fünf Jahre sind wir gut genug für Eure Stimmen“, beklagte sie eine Ignoranz zwischen den Wahlterminen – und blickte dabei in das Gesicht einer verständnis- und sprachlos dreinblickenden Kommunalpolitikerin. So sieht das Ergebnis eines Entfremdungsprozesses aus. Mehr noch: Es sind Zeichen, dass die Statik für das Miteinander nicht mehr stimmt. Auf seine Einschätzung am Tag darauf, dass dies eine gelungene Veranstaltung war, kann Bürgermeister Otto Lukat jedenfalls fast Exklusivrechte anmelden.

Der Kreis beschreitet jetzt bei der Diskussion über die Schulentwicklung den richtigen Weg: Alle Unterlagen sind direkt zugänglich. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Diese Transparenz gehört ebenso zum Miteinander von Politik, Verwaltung und Wählern wie die Ehrlichkeit, dass man nicht immer nur gute Nachrichten „verkaufen“ kann. Wie offen man mit den schlechten umgeht, ist der wirkliche Gradmesser. Da sollte man nicht sprachlos bleiben.marc.rath@cbeckers.de

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