Wenn Kinder nicht zur Schule gehen

Uelzen. Sie verweigern hartnäckig den Schulbesuch, verhalten sich aggressiv gegenüber anderen Menschen oder isolieren sich völlig von ihrer Umwelt: Die Zahl sozial auffälliger Kinder und Jugendlicher wächst stetig. Deshalb hat die SPD-Fraktion im Kreis jetzt beantragt, dass der Landkreis minderjährigen Schulverweigerern und schulisch auffälligen jungen Menschen künftig intensiver hilft. Dafür gab der Jugendhilfeausschuss seine einstimmige Unterstützung.

Dem Problem sollte aber nicht vorrangig mit strafrechtlichen Sanktionen wie Bußgeldern gegen Kinder und Jugendliche begegnet werden, sagte Ausschussvorsitzender Jürgen Hinrichs (SPD). Vielmehr müssten auch die Erziehungsberechtigten – mit Unterstützung der örtlichen Jugendhilfe oder unter Einschaltung des Familiengerichts – veranlasst werden, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder der Schulpflicht nachkommen. „Auch die Eltern müssen die Konsequenzen ihres Verhaltens erfahren“, forderte Hinrichs. Die Sanktionen gegen sie könnten bis zum Eingriff ins Sorgerecht reichen – „wegen Gefährdung des Kindeswohls“.

Bei sozialen Aufälligkeiten von Schülern bis hin zur Schulverweigerung werde unter anderem das Jugendamt Uelzen eingeschaltet, erklärte dessen Leiterin Brigitte Lindenthal. Im vergangenen Jahr habe ihr Amt – in Absprache mit den Schulen – in 196 Fällen Beratung, Hilfe zur Erziehung oder Eingliederungshilfe wegen schulischer Auffälligkeiten junger Menschen geleistet. 48 der Kinder befanden sich im Grundschulalter, 148 besuchten weiterführende oder berufsbildende Schulen.

Meldungen über Schulversäumnisse werden im Schul- und Kulturamt des Kreises bearbeitet. Dieses kann danach Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen die Eltern einleiten. Ab dem 14. Lebensjahr sei aber auch ein Verfahren gegen den betreffenden Schüler möglich, sagte Lindenthal. Im Jahr 2010 seien dem Amt kreisweit 61 Schüler wegen Schulverweigerung gemeldet worden, davon fünf von Grundschulen, 34 von weiterführenden und 22 von berufsbildenden Schulen.

In 13 Fällen wurde das Jugendamt mit Beratung und weitergehender Unterstützung tätig. „In drei Fällen erfolgte eine Mitteilung an das Familiengericht wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft der Eltern und Gefährdung des Kindeswohls“, berichtete Lindenthal. Wurde die auferlegte Geldbuße nicht bezahlt, wandelte das Amtsgericht diese in eine Arbeitsauflage um. Totalverweigerern drohen dabei drastische Konsequenzen, warnte die Amtsleiterin: „Wegen hartnäckiger Nichterfüllung der Arbeitsauflagen wurden vier Freizeit-Arreste verhängt.“

Die Kreisverwaltung begegne dem Problem der Schulverweigerung entschlossen, bilanzierte Lindenthal – unter anderem mit dem von der Europäischen Union, den Schulen und dem Kreis geförderten Hilfsprojekt „Zweite Chance“. Dennoch werde es „weiterhin insbesondere ältere Schüler geben, die mit Mitteln der Jugendhilfe nicht erreichbar sind und deswegen ordnungsrechtliche Maßnahmen wegen Schulverweigerung erfahren müssen“.

Von Bernd Schossadowski

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