Weniger Etat – mehr Arbeit?

Uelzen/Landkreis. Im Zuge der Sparpläne des Uelzener Kirchenkreises fordert Propst Jörg Hagen nun die Kirchenvorsteher dazu auf, Vorschläge zu erarbeiten. Bis zum Ende des Jahres 2011 muss der Kirchenkreis der Landeskirche ein Konzept vorlegen, mit dem bis zum Jahr 2016 fast fünf Prozent im Etat eingespart werden können (AZ berichtete).

Deshalb informierte Pastor Uwe Mestmäcker vom Struktur-Ausschuss beim Kirchenvorstehertag am Freitagabend in der Uelzener Stadthalle die rund hundert anwesenden Ehrenamtlichen über die anstehenden Veränderungen.

Der Kirchenkreis hat sieben Kompetenzgruppen zu Themen wie Bildungsarbeit, Diakonie und Kirchenmusik gebildet. Die Mitglieder sollen sich darauf festlegen, welche Mittel für ihren Bereich benötigt werden und wie die jeweiligen Gemeinden zum Beispiel durch Kooperationen Kosten einsparen können.

Die Bildung der Kompetenzgruppen verunsicherte viele Kirchenvorsteher. So befürchten einige, dass die Gemeinde-Basis zu wenig Mitspracherecht erhalte. Sie sind skeptisch, ob Vorschläge von ihnen überhaupt berücksichtigt werden würden. Zudem besteht nach Ansicht der Kirchenvorsteher die Gefahr, dass die Kompetenzgruppen sehr knapp kalkulieren und künftig noch mehr Aufgaben auf den Ehrenamtlichen lasten könnten. Für März 2012 stehen die nächsten Kirchenvorstandswahlen an, so entscheiden die derzeitigen Kirchenvorstände über die Arbeit der Nachfolger.

„Wie sollten wir denn neue Freiwillige bei der zunehmenden Arbeit finden“, fasste Bienenbüttels Pastor Jürgen Bade das Misstrauen der Kirchenvorsteher der Region Nord zusammen.

Pastor Reinhard Klingbeil berichtete aus der Kompetenzgruppe „Gottesdienst und Seelsorge“, dass mit der Erarbeitung der benötigten Finanzmittel für diesen Bereich ein enormer Arbeitsaufwand verbunden sei. „Wenn es uns bis zum Jahresende gelingen könnte, uns einen Überblick über die aktuelle Situation und den Bedarf zu verschaffen, wäre das eine gute Leistung“, sagte der Pastor von St. Marien. „Eine Empfehlung für Einsparungen zu geben, halte ich nicht für realistisch.“

Unterdessen gab Lüchow-Dannenbergs Propst Stephan Wichert-von Holten einen Einblick die Erfahrungen des Nachbar-Kirchenkreises. Er motivierte die Kirchenvorsteher, alte Traditionen zu überdenken und vorauszuschauen. Auf die Frage, wie er mit den Spar-Vorgaben der Landeskirche umgehe, antwortete er: „Wir sparen nicht, wir haben es nicht vor.“ Sie hätten aber der Landeskirche Vorschläge für die Zukunft gemacht. So hält er es für sinnvoll, Pastoren nicht mehr auf Gemeinde-Ebene, sondern für den gesamten Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg einzustellen. Die Pastoren müssten ohnehin gemeindeübergreifend arbeiten.

Dass dies auch im Kirchenkreis Uelzen verstärkt der Fall sein wird, kündigt Pastor Mestmäcker an. Bis 2030 könne man in der Region Süd-Ost im Kirchenkreis mit 30 Prozent weniger Gemeindemitglieder und 50 Prozent weniger Geld rechnen. Bis dahin werde es trotz der großen Entfernung innerhalb dieser Region vermutlich nur noch dreieinhalb Pfarrstellen geben. Sein Vorschlag wäre daher, nur noch drei große Kirchengemeinden statt der aktuell acht Kirchengemeinden zu bilden.

Die Landeskirche kalkuliert für das Jahr 2012 für den Kirchenkreis, zu dem knapp 60 000 Gemeindemitglieder gehören, eine Zuweisung von 4,57 Millionen Euro. Ab 2013 sinkt dieser Etat um rund 92 000 Euro, das Minus wächst in den Folgejahren weiter. 2016 hat der Kirchenkreis insgesamt 228 000 Euro weniger zur Verfügung.

Von Diane Baatani

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