Wenig Geld für Integration

Es gibt viele Menschen, die freiwillig Integrations- und Deutschkurse besuchen möchten, aber nicht für alle stehen Gelder zur Verfügung, kritisiert Sylvia Helms, Leiterin des Uelzener Jugendmigrationsdienstes.

Uelzen - Von Diane Baatani. Beim Jugendmigrationsdienst des Christlichen Jugenddorfes (CJD) Göddenstedt in Uelzen sorgt die aktuelle Debatte um mangelhafte Integration von Migranten ebenfalls für Kritik. Seehofer habe mit seiner Forderung nach Zuzugsbeschränkungen für Türken und Araber „ein falsches Signal sowohl nach innen als auch nach außen gesandt“, sagt Leiterin Sylvia Helms. Sie ärgert sich über die Richtung, die die Debatte nimmt, „insbesondere deshalb, da kürzlich gerade das Integrationsangebot für Lernwillige aus finanziellen Gründen eingeschränkt wurde und auch sonst neue Hürden diesbezüglich geschaffen wurden“.

Auch Kirsten Lühmann, SPD-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Celle-Uelzen, kritisiert, dass in der Diskussion „sehr sehr viel vermischt“ werde. „Man hat Deutschland lange Zeit nicht als Einwanderungsland verstanden, obwohl wir es waren“, sagt Lühmann. „Auch Spätaussiedler sind Einwanderer.“ Ihnen helfe man auch dabei, in dieser Gesellschaft heimisch zu werden.

„Es gibt Menschen jeder Nationalität, welche als nicht integriert bezeichnet werden können, genau wie bei nicht Zugewanderten auch.“ Sylvia Helms, Leiterin des Uelzener Jugendmigrationsdienstes, kritisiert Aussagen von CSU-Chef Horst Seehofer und weiteren Unionspolitikern, nach denen muslimische Migranten schlechter zu integrieren seien. „Zum Glück kann ich aber sagen, dass mir in meiner täglichen Arbeit Menschen aus allen Ländern der Welt begegnen, die sehr wohl daran interessiert sind, dazu zu gehören, und dies ist sogar die Mehrheit.“ In diesem Zusammenhang sei aber wichtig, zwischen dem Begriff „Integration“ und „Assimilation“, der vollständigen Anpassung, zu unterscheiden.

„Ein qualifizierter Zuzug wird nötig sein“, stellt sich der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Celle-Uelzen, Henning Otte, hinter seine Kollegen aus der Union. „Das setzt eine Integration bereits voraus, dazu gehört die deutsche Sprache und das Rechtsverständnis.“ Nur dann könnten Migranten auch gefördert werden.

Dass die Bundesregierung allerdings zu wenig Geld für Integrations- und Deutschkurse für Migranten bereitgestellt habe, kritisiert SPD-Wahlkreisabgeordnete Kirsten Lühmann. „Die Integrationskurse werden sehr nachgefragt“, weiß die Bundestagsabgeordnete. Gefördert würden diejenigen, die zur Teilnahme verpflichtet seien. Wer freiwillig einen Kursus besuchen möchte, könne es nur tun, solange noch Gelder zur Verfügung stehen. „Und die sind alle. Was ist das für ein Signal: Ich verlange das zwar von dir, aber du kannst den Kursus erst im nächsten Jahr besuchen.“

Otte sieht nicht in erster Linie das Problem bei der Förderung von Kursen. „Man kann nicht alles mit Geld heilen. Der feste Wille sich einzugliedern muss vorhanden sein“, erklärt der CDU-Politiker.

Das Projekt „Diverse city“ des CJD bemüht sich in Uelzen und bundesweit darum, Menschen mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft zu integrieren, da in kleinen und mittleren Städten, unter anderem aus demografischen Gründen, ein Fachkräftemangel zu erkennen ist. Dazu wurde bereits ein Gremium geschaffen, in dem Migranten und Uelzener aus Bereichen wie Schule, Wirtschaft, Kultur und Sport kooperieren. Hetem Xhafolli, Lehrer an der Lucas-Backmeister-Schule, ist Mitglied im Vorstand dieses Gremiums. Er hat festgestellt: „In letzter Zeit integrieren sich die Leute mehr. Die Menschen müssen mehr Deutsch lernen, damit sie eine gute Ausbildung machen können.“ In seiner eigenen Familie habe er die Erfahrung gemacht, dass das am besten im Sportverein funktioniert.

Dass zur Integration aber zwei Seiten gehören, Migranten und Einheimische, betont die Leiterin des Jugendmigrationsdienstes. „Solange wir überhaupt Debatten zum Thema Integration von Zuwanderern führen müssen, und da nehme ich mich an dieser Stelle nicht aus, solange machen wir gezielt Menschen zu ,Anderen’“, sagt Helms. „Genau das wollen und sollten wir eigentlich vermeiden, da es dem Integrationsgedanken nicht Rechnung trägt.“

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