Ole Bielenberg war als Bundespolizist schon in Afghanistan, Russland und Kolumbien tätig

Die Welt als Einsatzort: Uelzener Polizist in vielen Ländern tätig

Uelzen. Steine fliegen. Mit voller Wucht treffen sie das Auto, in dem Bundespolizist Ole Bielenberg sitzt. Das Fahrzeug ist nicht gepanzert und die wütende Menge, aus der heraus immer neue Geschosse geworfen werden, ist nicht zu beruhigen.

Die Schar will den deutschen Ole Bielenberg und Kollegen von ihm aus anderen Ländern daran hindern, im muslimischen Teil von Bosnien-Herzegowina gefallene serbische Soldaten zu exhumieren. Dazu hatten sie bei ihrem Auslandseinsatz in Bosnien-Herzegowina im Jahr 1996 den Auftrag erhalten. Nur mit Hilfe von Soldaten der damals im Land stationierten Friedenstruppe IFOR können Bielenberg und seine Kollegen in Sicherheit gebracht werden.

"Ich hatte Angst um meine Gesundheit"

20 Jahren liegt dieser Moment zurück. Präsent ist er dem Bundespolizisten immer noch: „Ich hatte Angst um meine Gesundheit“, sagt Bielenberg. Der 49-Jährige spricht vom einschneidendsten Erlebnis seiner Auslandseinsätze.

Seit Beginn seiner Berufslaufbahn leistet der aus dem Landkreis Uelzen stammende und am Hainberg stationierte Bundespolizist in anderen Ländern Dienst: Russland, Portugal, Kolumbien, Bosnien-Herzegowina und auch Afghanistan. Für den Einsatz dort wird er vom Bundesinnenministerium nun ausgezeichnet. Er darf die Afghanistan-Spange in Gold tragen.

Der 49-jährige Ole Bielenberg hat seiner Frau versprochen, nicht mehr ins Ausland zu gehen.

Die Spange: Die Umrisse Afghanistans sind zu erkennen; der deutsche Bundesadler ist abgebildet, die Flaggenfarben der Länder sind flankierend angebracht. Die Auszeichnung verstehe er als Anerkennung für seine Arbeit im Ausland, sie stehe aber auch stellvertretend für die Entbehrungen in seinem Leben, sagt Bielenberg. Der Bundespolizist lebt seit 2002 mit seiner heutigen Frau zusammen. Immer wieder ließ sie ihn ins Ausland gehen, Beziehung bedeutet in den Monaten: Video-Telefonie über das Internet. Beziehungen vorher zerbrechen an Bielenbergs Drang, ins Ausland zu gehen: „Die Abenteuerlust war größer als die Bindungsfähigkeit“, so der Polizist.

Aber warum dieser Weg? Bielenberg sagt: „Andere junge Erwachsene haben mit 18 oder 19 Jahren den Motorradführerschein machen wollen. Ich bin Fallschirmspringen gegangen.“ 1985 beginnt er eine Ausbildung beim damaligen Bundesgrenzschutz. Als Gruppenführer ist er später für acht Kollegen zuständig. Als Polizisten für die „Auslandverwendung“ gesucht werden, meldet sich Bielenberg.

Entscheiden kann er nicht, wohin es geht. „Du bekommst eine Überraschungspackung.“ Er erhält für 1992 den Auftrag, die deutsche Botschaft in Moskau für elf Monate mit anderen Polizisten zu bewachen – nur wenige Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Bielenberg gesteht, „leichte Bedenken“ gehabt zu haben, den Dienst in Russland zu verrichten: „Ich war groß geworden mit dem Ost-West-Bild“. Allerdings sei er „weltoffen“ erzogen worden. Das hilft ihm bei seinen Einsätzen, lässt ihn aber auch immer wieder neue Aufträge annehmen.

1994 ist er für die Sicherheit an der deutschen Botschaft in Lissabon zuständig, 1996 folgt der Einsatz über die Vereinten Nationen in Bosnien-Herzegowina und 1998 sichert er die Botschaft in Bogota. Er habe Kolumbiens Gesellschaft als sehr offen erlebt, doch unbelastet ist der Einsatz nicht: Es habe das Risiko von Entführungen in dem Land bestanden, so Bielenberg. In Kolumbien sind seinerzeit Guerilla-Gruppen unterwegs und Drogenkartelle aktiv.

Bielenberg scheut auch nicht den Weg nach Afghanistan, als zur Ausbildung von Polizisten vor Ort Lehrer gesucht werden: Kabul, Herat, Mazar e Sharif. Er führe sich an seine Grenzen, sagt Bielenberg, und darüber hinaus. Es steckt in ihm. Am Hainberg ist er in der „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit“ tätig. Das heißt: Wenn Fußball-Rowdys Unfrieden stiften, wenn, wie am 1. Mai wieder, Vandalen durch die Straßen ziehen, ist er mit Kollegen vor Ort, nimmt Straftäter ins Visier und verhaftet sie.

"Aus Lust an der Gewalt werden Autos angezündet."

Als in Bosnien-Herzegowina die Steine das Auto mit Bielenberg treffen, kann der Polizisten in dieser Situation noch Verständnis aufbringen für die aufgebrachten Menschen. Krieg, Verlust, Trauer – Bielenberg spricht von verständlichen Reaktionen, Unverständnis habe er dagegen für die zunehmende Verrohrung ohne Not in Deutschland. Er erlebe, dass Menschen einfach aus „Lust an der Gewalt“ Autos anzündeten, Schäden anrichteten oder andere verletzten.

Ob er noch einmal einen Auslandeinsatz übernehmen wird? „Ich habe meiner Frau versprochen, keinen mehr zu machen.“ Aber heute ist Sonnabend. Und für Bielenberg heißt das wieder Einsatz irgendwo im Bundesgebiet wegen gewaltbereiter Menschen.

Von Norman Reuter

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