Douglas-Bande vor Gericht: Zeugen schildern Überfall

„Du weißt wohl nicht, wer ich bin“

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Ismail N. (links), hier mit seinem Anwalt Martin Schaar, beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Lüneburg. Der 19-jährige soll eine Bierflasche aus einer angrenzenden Kneipe geholt haben, um damit das Opfer niederzuschlagen.

Uelzen/Lüneburg. Nach einer durchfeierten Nacht wollen Stefan T. (Namen geändert) und seine Freundin nach Hause gehen. Aber sie kommen nicht weit. – Im Prozess gegen zwei Mitglieder der so genannten Uelzener Douglas-Bande vor dem Landgericht Lüneburg schildert der 51-jährige Stefan T. gestern Vormittag in einer Zeugenaussage die Auseinandersetzung Anfang Juli in der Uhlenköperstadt:

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Mitten auf dem Gehweg der Gudesstraße uriniert ein großgewachsener junger Mann, als das Paar dort entlang will. „Warum gehst du nicht zwei Meter weiter, dann müssen wir nicht durch deine Pisse laufen?“, habe der 51-Jährige im Vorbeigehen gefragt. Als sie schon etwa 15 Meter vorbei sind, beginnt der junge Mann, ihn laut zu beschimpfen und mit Schläge zu drohen. Als der Satz „Geh nach Hause mit deiner deutschen Hure“ fällt, ist für Stefan T. die Grenze erreicht, erklärt er. „Ich bin stehen geblieben und habe mich umgedreht.“ Bis auf 50 Zentimeter nähert sich ihm der schlanke, schätzungsweise 1,86 Meter große Mann und wiederholt mehrmals: „Du weißt wohl nicht, wer ich bin“. Innerhalb kurzer Zeit umringt ihn eine Gruppe von weiteren etwa 17- bis 22-Jährigen. Doch das Paar kommt ein Stück weiter Richtung Park, bevor der Zeuge plötzlich von drei Personen von hinten angesprungen wird, schildert er.

Trotz eines Alkoholkonsums von etwa sieben Bacardi-Cola, wie Stefan T. bekennt, sei er noch fit gewesen. Er befreit sich von ihnen und zieht wenige Meter weiter, als ein junger Mann – etwa 1,65 Meter groß, mit einem weißen Hemd bekleidet und vermutlich ebenfalls aus der Gruppe – vor ihn tritt und ihm rät, nach Hause zu gehen. „Ich will mich mit gar keinem anlegen, ich will nach Hause gehen“, habe Stefan T. beteuert.

In dem Moment entdeckt Stefan T. den 42-jährigen Manfred V. in einer Gruppe Jugendlicher, der ihm zu Hilfe kommen will. Manfred V. war in den neunziger Jahren etwa zehn Jahre lang als Boxer aktiv und bestritt in dieser Sportart rund 40 Wettkämpfe, wie er im Prozess gestern Vormittag aussagte. Er habe Stefan T. aus der Ferne davor gewarnt, allein durch den Park nach Hause zu gehen. Daraufhin kehrt das Paar um und steuert die Kneipenmeile auf der Gudesstraße wieder an, sich ständig umdrehend nach der Traube hinter ihnen. Manfred V. bleibt mit den jungen Männern zurück, die ihn immer wieder am Weitergehen hindern.

Da stürmt der 1,65 Meter große Mann mit einem gefüllten Weizen-Bierglas aus einer der Kneipen und steuert zielstrebig und schnell Manfred V. an, schildert Stefan T. Er sieht, wie der Jugendliche mit dem Glas in der linken Hand ausholt. Abgelenkt durch ein Gespräch mit einem Kneipier habe er verpasst, was dann passierte. Und als er sich wieder nach Manfred V. umdreht, liegt dieser bereits schwer verletzt am Boden.

Die 1. Große Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg wird bis Ende Februar insgesamt mehr als 30 Zeugen und drei Sachverständige verhören. Am kommenden Montag um 9.30 Uhr werden im Saal 121 weitere Zeugen aussagen.

Von Diane Baatani

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