Björn Tornow bekommt am Königsberg „eine gedongt“  / Belohnung für Hinweise

Wehrlosen Rollstuhlfahrer angegriffen: 26-Jähriger lebt seither in Angst

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Mutter Sabine mit Sohn Björn Tornow. Das Leben des 26-Jährigen, der an einer zerebralen Spastik leidet, ist nach einem Überfall am Königsberg noch eingeschränkter als vorher. Im Hintergrund die Bank, von der ein Mann aufsprang, um ihn zu schlagen.

Uelzen. Der 20. Juni sollte ein schöner Tag werden. Sabine Tornow hatte zu ihrem Geburtstag eingeladen und die Gäste kamen auch zu ihr an den Hasenberg. Teils drinnen und teils draußen gab es Geschenke, Glückwünsche und Geselligkeit.

Aber Freude und Frohsinn wichen nachmittags nach 17 Uhr Bestürzung und Unverständnis – darüber dass Sabines Sohn Björn aus heiterem Himmel von einem fremden Mann ins Gesicht geschlagen wurde. Einfach so, nur wenige Meter vom eigenen Zuhause entfernt.

Denn Björn Tornow war während der Feier zu seiner üblichen Runde über den Fußweg zwischen Hasenberg und Am Königsberg aufgebrochen. In dem Elektro-Rollstuhl, der ihm trotz zerebraler Spastik Mobilität ermöglicht. Es sind diese 150 Meter Fußweg, auf denen sich der schwerbehinderte 26-Jährige selbstständig bewegen kann, nach Lust und Laune oder auch weil seine Mutter ihn zu Nachbarn schickt, um dort etwas zu holen oder abzugeben.

Björn ist durch seine Spastik massiv eingeschränkt. Er kann nicht sprechen, er teilt sich lediglich mittels Mimik, Gestik und mit Hilfe seines „Talkers“ – einer technischen Sprechhilfe an seinem Rollstuhl – mit.

Björn kann lachen, er kann alleine Essen und Trinken zum Mund führen. Er kann sich aber nicht alleine an- oder ausziehen – und erst recht nicht gegen einen plötzlichen körperlichen Angriff wehren.

Nach der Attacke des Mannes, der auf einer Bank am Fußweg saß, vermutlich eine schwarze Baseball-Kappe sowie ein schwarzes T-Shirt trug und der eine unauffällige Statur hatte, blieb Björn deswegen auch nichts anderes übrig, als nach Hause zurückzufahren.

Verwandte, aber auch Mutter Sabine merkten sofort, dass etwas nicht stimmte. „Du siehst aus, als ob dir einer eine gedongt hat“, habe sie ihn gefragt. Björn bestätigte das, indem er mit einer Faust Schläge in sein Gesicht andeutete.

Während die körperlichen Folgen sich in Grenzen hielten, sind die psychischen ausgeprägt. Björn gab sein kleines Stück Freiheit auf, die Fahrten über den Fußweg. Denn er hat jetzt Angst davor, allein dort unterwegs zu sein. Und die Erinnerung an den Angriff lassen ihn auch gut eine Woche später immer wieder aus dem Schlaf hochschrecken. Seine Mutter berichtet davon, nachts „senkrecht im Bett“ zu stehen, weil ihr Sohn neuerdings in Albträumen „Urschreie“ ausstoße. „Das hat er vorher nicht gemacht“, sagt Sabine Tornow.

Bei Mutter und Angehörigen herrscht völliges Unverständnis über die Tat. „Ich hätte heulen können. Was ist das für ein Mensch, der so etwas tut?“, fragt Sabine Tornow. Eine Antwort darauf gibt es bisher nicht. Sowohl die spontane Suche der Geburtstags-Gesellschaft als auch die bisherigen Ermittlungen der Polizei führten nicht zu einer Auflösung.

Unterstützt wird die Suche nach dem Täter jetzt von Stefan Thieme. Bei ihm arbeitet ein Verwandter der Tornows. Der berichtete ihm von dem Angriff auf Björn und Thieme setzte eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen.

Diese Hinweise nimmt die Polizei Uelzen unter der Telefonnummer (05 81) 93 02 15 entgegen.

Von Steffen Kahl

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