Abschluss des Aquarius-Projektes in der Uelzener Stadthalle / Mehr Zusammenarbeit gewünscht

Wasser ist keine Handelsware

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Komplexe Studie: Ein richtig greifbares Ergebnis des Aquarius-Projektes gibt es nicht. Doch es zählt der Gedanke, mehr miteinander zu arbeiten, wenn es um die Nutzung von Wasser geht.

Uelzen/Landkreis. Steigende Temperaturen, trockene Sommer und feuchte Winter – der Klimawandel schlägt zu. Darunter leiden besonders auch die Landwirte, denn schließlich sind sie abhängig von Wetter und Natur.

Das Projekt „Aquarius – dem Wasser kluge Wege ebnen!“ der Landwirtschaftskammer Niedersachsen untersuchte deshalb die Zusammenhänge des Klimawandels und Beregnung. Es sollen Wege für künftige Koexistenz von Bächen und Beregnungslandwirtschaft aufgezeigt werden. Gestern wurden in der Uelzener Stadthalle die Ergebnisse der dreijährigen Forschung vorgestellt.

150 000 Euro Fördergelder gab es auch vom niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Niedersachsens Umweltminister Dr. Stefan Birkner war deshalb gestern in der Stadthalle und lobte die Arbeit von Projektleiterin Elisabeth Schulz. „Eine von allen getragene Lösung ist wichtig.“ Gerade in Nordost-Niedersachsen seien die Niederschläge gering – ebenso wie das Haltevermögen der Böden. „Ich unterstütze die Bemühungen ausgiebig, weil ich weiß, wie wichtig hier die Beregnung ist“, sagte Birkner. Wasser sei schließlich keine Handelsware, sondern Allgemeingut, das sparsam genutzt werden sollte, „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“.

Dr. Jürgen Grocholl von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Uelzen, fasste kurz das Aquarius-Projekt zusammen, bevor es in Fachvorträgen ins Detail ging. Grocholl skizzierte die Konkurrenz um das Wasser: Zum einen wird das Trinkwasser der Heide für die Stadt Hamburg benötigt, die Landwirte brauchen Wasser zum Beregnen und die Natur benötigt es für den Mindesterhalt in Bächen und generell für ein lebenswertes Umfeld. „Deshalb gibt es ja eine Begrenzung für die Wasserentnahme“, betonte Grocholl.

Projektleiterin Elisabeth Schulz zog nach der Veranstaltung ein kurzes Fazit ihrer Forschungen: „Die Sache ist so komplex, es gibt kein Schwarz oder Weiß.“ Mit einer Vielzahl von Strategien wolle man die Situation verbessern und vor allem Lösungen finden, von denen alle Seiten profitieren – sowohl Beregnungslandwirte als auch Naturschützer. „Es zählt der Gedanke, Deals untereinander zu machen“, sagt Schulz mit einem Blick nach Schweden. Das Land gehört auch zu den Projektpartnern und dort gibt es ein Beispiel, dass sich die Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer auch für den Landkreis Uelzen wünscht – zumindest das Prinzip. In der schwedischen Provinz Halland wird wegen fehlender Grundwasservorräte Beregnungswasser aus Flüssen genommen. Um den kleinen Fluss Edenbergaan zu entlasten, erhielt ein Beregnungsverband die Erlaubnis zum Bau und Betrieb einer Überleitung von Wasser aus dem benachbarten großen Fluss Lagan. Dafür verpflichtet sich der Verband, den naturschutzfachlichen erforderlichen Wasserstand des kleinen Flusses auch dann durch Überpumpen sicherzustellen, wenn die landwirtschaftliche Beregnung ruht. Das Fließgewässer dient nämlich auch Lachsen als Laichgebiet.

Ein weiteres Ergebnis von Aquarius: Oberläufe der Flüsse und Bäche sind unabhängig von der Beregnungssituation – zumindest die, die im Rahmen des Projekts untersucht wurden. Auch dort fordert Schulz die Zusammenarbeit von Beregnungsverbänden und Gewässerverantwortlichen auf einer freiwilligen Basis. „Am besten mit Hilfe eines Mediatoren.“

Von Jörn Nolting

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