„Was lassen wir hier in Uelzen zu?“

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Das mutmaßliche Mitglied der Douglas-Bande Robert K. (rechts) als Angeklagter im Totschlags-Prozess vor dem Landgericht: Sein Anwalt Volker König hat jetzt die Freilassung gefordert.

Uelzen. Die Tat am frühen Mittwochabend ist offenbar gut vorbereitet. Wenige Stunden zuvor sind dem Uelzener Geschäftsmann die Reifen seines Wagens zerstochen worden – womöglich als Drohung, dass man es ernst meint.

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Als dann kurz darauf drei junge Männer in das Geschäft stürmen, ein Messer ziehen und Schutzgeld fordern, erlebt der Kaufmann die wohl schlimmsten Minuten seines Lebens. Aber er bleibt standhaft, alarmiert die Polizei – „denn es kann doch nicht sein, dass Jugendliche diese Stadt terrorisieren und keiner etwas unternimmt“, sagt er später zur AZ. Der Überfall auf das Geschäft ist der Höhepunkt einer ganzen Serie von Vorfällen, die von Ermittlern der Douglas-Bande zugerechnet werden und die seit Monaten für Unruhe unter Gewerbetreibenden in Uelzen sorgt. Rund ein Dutzend Heranwachsender trifft sich in losen Abständen vor der gleichnamigen Drogerie. In wechselnder Besetzung zieht man dann los, um Ärger zu machen. Als Rädelsführer gelten Jugendliche mit arabischem und osteuropäischem Hintergrund.

In Geschäften pöbeln sie Verkäuferinnen an und beleidigen sie übelst („Halt‘s Maul, du Schlampe“), werfen Auslagen um und begehen ungeniert Ladendiebstähle. Nachts ziehen sie gezielt los, um Ärger zu machen und zu prügeln. So auch an jenem 2. Juli, an dem eine Auseinandersetzung eskaliert. Ein 41-jähriger Passant, der einem Pärchen zur Hilfe eilt, wird mit einer Bierflasche niedergeschlagen, anschließend hagelt es Tritte auf den Kopf des halb bewusstlos am Boden liegenden Mannes. Er erleidet unter anderem einen Bruch der Stirnhöhle. Die Täter flüchten, ein Verfolger wird von anderen Mitglieder der Gruppe bedrängt und muss aufgeben.

Die Nachforschungen gestalten sich schwierig für die Polizei, schließlich ermittelt sie zwei 19-jährige als mutmaßliche Täter. Dass sie in Untersuchungshaft sitzen und ihnen wegen versuchten Totschlags der Prozess gemacht wird, scheint drei andere Bandenmitglieder nicht sonderlich zu beeindrucken – sie entschließen sich zur Schutzgeld-Erpressung und sitzen seitdem auch in Untersuchungshaft.

In der Uelzener Geschäftswelt ist man erleichtert über das Durchgreifen von Polizei und Justiz. „Denn es kann nicht sein, dass solche Heranwachsende hier die Stadt in Beschlag nehmen“, sagt ein Kaufmann gegenüber der AZ, „was lassen wir eigentlich zu hier in Uelzen?“ Erste Vorsichtsmaßnahmen wurden bereits getroffen – so schafften sich manche Alarmierungssysteme oder Überwachungskameras an.

Seit den fünf Festnahmen sei es ruhig geworden um die Douglas-Bande, heißt es übereinstimmend bei Polizei und Geschäftsleuten. Denn die fünf Inhaftierten gelten als Rädelsführer, der Rest weitgehend als Mitläufer. Sorge bereiten jetzt nur die Familien der jungen Untersuchungshäftlinge, die Zeugen einzuschüchtern versuchen. Aber auch das habe man sehr genau im Blick, versichert Polizeisprecher Kai Richter.

Von Thomas Mitzlaff

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