Lintzeler Hundebesitzer lässt Flugblätter verteilen / Wildschweinreste hinterließ vermutlich der Wolf

Warum Scally starb

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Labradorrüde Scally (rechts) ist tot. Dass Wildreste dafür verantwortlich waren, glaubt die Tierärztin nicht. Und das Schwein hat wahrscheinlich nicht der Jäger, sondern der Wolf zerlegt.

Lintzel. Soviel steht fest: Scally ist tot, und er hat sich gequält. Der acht Jahre alte Labrador-Rüde wurde am Sonntag eingeschläfert. Sein Herrchen Claus Wienhold glaubt, dass ein Wildknochen seine Darmwand durchbohrt hat.

Fest steht auch, dass Scally sich zehn Tage zuvor beim Spaziergang am Waldrand bei Lintzel über die Reste von einem Wildschwein hergemacht hat. „Weil ein rücksichtsloser Jäger Schlachtabfälle vom Wildschwein auf den Feldern. . . illegal entsorgt hat, so dass sie für alle dort laufenden Hunde frei zugänglich sind“, schreibt er auf einem Flugblatt, das er gestern in Lintzel verteilen ließ. Doch dass ein Jäger die Wildreste hinterließ, ist unwahrscheinlich.

„Uns geht es darum, dass andere informiert werden, und vielleicht kommt die Behörde darauf, zu kontrollieren“, begründet Wienhold seine Aktion gegenüber der AZ. Innerhalb von anderthalb Jahren habe er bereits dreimal auf dem Feld wenige hundert Meter von seinem Haus Wildreste in der Nähe einer Jagdkanzel gefunden. Diesmal habe er seinen Hund, der frei lief, nicht davon fernhalten können, sagt der 55-Jährige. Er entdeckte frische Därme, Schwarte und Pfoten von einem Wildschwein.

Die Uelzener Tierärztin Dr. Ute Salzbrunn glaubt allerdings nicht, dass der frische Kadaver mit Scallys Tod zu tun hat. „Man sieht in der Röntgenaufnahme eine Verstopfung im Enddarm, aber es waren keine eindeutigen Knochenteile zu identifizieren.“ Möglich sei auch der plötzliche Durchbruch eines Lebertumors. In seltenen Fällen können Hunde auch sterben, wenn Wildschweine mit der Aujeszkyschen Krankheit infiziert sind.

Kreisjägermeister Hans-Heinrich Hellbrügge glaubt nicht, dass ein Waidmann die Reste von einem geschossenen Stück Wild einfach liegen lässt. Das ist auch nicht erlaubt. „Die Abfälle sollen in die Mülltonne. Man kann sie auch mindestens 60 Zentimeter tief vergraben“, erklärt Hellbrügge. Den Aufbruch – das sind die Eingeweide – sollen die Jäger mit ein paar Zweigen abgedeckt in der Natur ablegen, damit sich auch andere Tiere daran gütlich tun können.

Aber Hellbrügge hat eine andere Fährte: den Wolf. Auch Wolfsberater Theo Grüntjens glaubt, dass Isegrimm zugeschlagen hat. Allerdings hat ihm vermutlich der Autoverkehr in die Hände gespielt, denn ausgewachsene Wildschweine sind ihm zu gefährlich. „Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass es ein angefahrenes Stück Schwarzwild war. Ich kenne keinen Jäger, der jetzt Schwarzwild jagt. Die Gefahr ist viel zu groß, dass er eines erwischt, was Junge kriegt.“

Anmerkung der Redaktion: Die AZ weist darauf hin, dass das oben genannte Flugblatt nicht Teil der Zeitung war und auch nicht im Auftrag der AZ verteilt wurde.

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