Weitere 140 000 Euro an Steuern sollen Finanzloch stopfen

Warum Casinos für die Stadt Uelzen ein Glücksfall sind

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Glück im Spiel? In Uelzen gibt es vier große Casinos, die fast ganztägig öffnen. Auch unter der Woche sind sie gut besucht. Die Inhaber haben ab April an die Stadt höhere Vergnügungssteuer zu zahlen.

Uelzen. Jeden Spielstart quittieren die Automaten mit einer fröhlichen Melodie: Es ist gegen 18.30 Uhr an einem Tag unter Woche und in Uelzener Spielcasinos wollen die „Musikbeiträge“ nicht enden.

Viele der aufgestellten Hocker sind besetzt – mit Männern in Arbeitshosen, Dandys und jenen, die mit Handys an den Ohren in fremden Sprachen gestikulierend vor den Automaten sitzen. Ihre Spielwut ist Uelzens Glücksfall.

Casinos und Spielautomatenaufsteller haben Vergnügungssteuer an die Stadt zu zahlen – vom Umsatz sind Gelder abzutreten. Zum April hebt Uelzen nun die Vergnügungssteuer um Punkte an. In den verbleibenden acht Monaten des Jahres rechnet die Stadt so noch mit Mehreinnahmen von 140 000 Euro. Es ist Geld, das dringend benötigt wird. Das Land Niedersachsen hatte, wie berichtet, der Stadt auferlegt, ihre Schulden in den Griff zu bekommen. Ein Finanzloch von rund 3,4 Millionen Euro klaffte im Haushalt 2016. Mit den Mehreinnahmen aus der Vergnügungssteuer soll das Loch zum Teil gestopft werden.

Elf Unternehmen und Spielautomatenaufsteller haben im Stadtgebiet die Vergnügungssteuer zu entrichten – darunter die vier großen Casinos und Spielhallen. Betrieben werden sie von Unternehmen, die nicht nur in der Uhlenköperstadt aktiv sind. Es handelt sich teils um wahre Konzerne. Hinter dem Casino „Novolino“ im Uhlenpark steht die Gesellschaft „Extra Games Entertainment“ mit rund 300 Spielhallen im Bundesgebiet und 2000 Mitarbeitern. „Extra Games“ ist eine Tochter des Spielautomaten-Herstellers „Löwen Entertainment“: 2900 Mitarbeiter im Jahr 2014.

„Jack´s Casino“ am Johnsburgkreisel wird vom Unternehmen „Maszutt Automaten“ mit Sitz in Lüneburg geführt. In der Salzstadt betreibt die Firma vier Spielhallen, außerdem werden nach eigenen Angaben auch Casinos in Adendorf, Lauenau, Winsen, Buxtehude oder in Berlin betrieben. Der Geschäftsführer will mit der AZ nicht über die höhere Vergnügungssteuer sprechen.

Dafür ist Hans-Joachim Glawe umso auskunftsfreudiger. Der Inhaber der Glawe-Gruppe mit neun Gesellschaften und Sitz in Hamburg hat in Uelzen Spielhallen an der Achterstraße und an der Blauen Lagune eröffnet. 47 Spielautomaten laufen in seinen Uelzener Spielhallen. Die Anhebung der Vergnügungssteuer sei schon satt, sagt er. Glawe rechnet vor, dass er bis zu 30 Prozent mehr zu zahlen habe. Deshalb erwägt Glawe auch rechtliche Schritte: Mit dem Anheben der Steuer werde ausschließlich er als Betreiber belastet, er dürfe sie nach geltendem Recht nicht an die Spieler weiterreichen, indem die Spieleinsätze erhöht werden. Erste Gerichtsurteile, wonach aber gerade das möglich sein muss, würden ihn über eine rechtliche Prüfung nachdenken lassen. Außerdem: 2017 laufen Konzessionen aus, die Neuvergabe wird im Glücksspielstaatsvertrag beschränkt. Glawe rechnet damit, dass er Spielautomaten abbauen muss und verweist auf Investionen von rund 650 000 Euro allein an der Blauen Lagune.

Bei Löwen-Entertainment – das Unternehmen übernimmt die Pressearbeit für das Spielcasino „Novolino“ in Uelzen – betont Sprecher Markus Pingel, dass sein Unternehmen viel Wert auf Jugendschutz und Präventionsarbeit lege. Dafür müsse Geld vorgehalten werden. „Man muss uns die Luft zum Leben lassen“, so Pingel.

Aber geht es der Branche so schlecht, dass sie die zusätzlichen Ausgaben nur schwer stemmen kann? Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Bildung sinkt die Lust am Glückspiel. Die Zahlen in Uelzen belegen zuletzt eine anderen Trend: Seit 2014 wurden deutlich mehr Umsätze beim Glückspiel im Stadtgebiet erwirtschaftet, sodass die Vergnügungssteuereinnahmen nach oben schossen. Mit der Anhebung geht die Verwaltung in diesem Jahr von Gesamteinnahmen von rund 620 000 Euro von elf Steuerpflichtigen aus.

Von Norman Reuter

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