Prognose des AZ-Wettermanns für Mai zwischen Sonne und Frost

Warten auf „Kalte Sophie“

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Uelzen/Landkreis. Der Mai gilt nicht nur wegen seiner Blütenpracht zu Recht als „Wonnemonat“, ist er neben dem Juni doch der sonnenscheinreichste Monat des Jahres. Und das stellt er ab Sonntag wieder einmal unter Beweis.

Heute und morgen müssen wir uns noch mit mehr Grau als Blau am Himmel begnügen. Sonnabend sind durch Tiefausläufer aus Südwesten sogar noch etwas Regen oder vereinzelte Schauer möglich. Ab Sonntag lässt der Frühling durch ein neues Hoch aus Westen sein blaues Band wieder flattern, wobei die Höchsttemperaturen von 17 bis 18 Grad am Montag auf 20 Grad klettern. Mit viel Sonne, aber durch östliche Winde auch nur noch rund 15 Grad, geht’s bis Wochenmitte weiter.

Nach Durchzug einer Gewitterstörung voraussichtlich am Donnerstag werden die Wetterkarten dann neu gemischt. Entweder bleibt ein weiteres Hochdruckgebiet über Irland liegen, oder es wandert zum östlichen Mitteleuropa. Im ersten Fall könnten die Eisheiligen termingerecht zum übernächsten Wochenende Einzug halten, im zweiten Fall könnte mit südlicher Strömung sogar frühsommerliche Wärme ausbrechen. Welche Version am Ende gewinnt, bleibt abzuwarten.

Von Landwirten und Gärtnern gefürchtet sind die Eisheiligen. Ihr Auftreten ist mit nördlichen Wetterlagen verbunden, die im Mai ihre größte Häufigkeit haben und der frostempfindlichen Vegetation noch erheblich zusetzen können. Das geschieht immer dann, wenn sich ein umfangreiches Hochdruckgebiet über dem Ostatlantik festsetzen kann. An seiner Ostseite wird dann mit nördlichen Winden trockenkalte Luft aus dem Polargebiet auf direktem Weg zu uns gelenkt. Bei sternenklarem Himmel und Windstille sind durch die nächtliche Ausstrahlung vor allem in der ersten Monatshälfte dann leichte Luft-, am Boden vereinzelt auch noch mäßige Nachtfröste unter minus fünf Grad möglich.

Mamertus, Pankratius und Servatius (11. bis 13. Mai) heißen die norddeutschen Eisheiligen, Pankratius, Servatius und Bonifatius (12. bis 14. Mai) die süddeutschen. In ganz Deutschland wird auch noch die „Kalte Sophie“ (15. Mai) mit Nachtfrösten in Verbindung gebracht. Nach Monatsmitte nimmt das Frostrisiko allgemein deutlich ab, sodass es im Volksmund zu Recht heißt: „Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie vorüber ist.“ Wer bei besonders frostsensiblen Pflanzen wie beispielsweise Tomaten auf Nummer sicher gehen will, sollte den Heiligen St. Urban (25. Mai) abwarten: „St. Urban gibt der Kält’ den Rest, wenn Servaz noch etwas übrig lässt.“

Der Rückblick: Die enorme spätwinterliche Kältewelle des März endete erst im April. So eröffnete der Monat auch gleich mit zwei sogenannten Wintertagen (Tagesmittel unter null Grad). Obwohl der Zustrom arktischer Kaltluft danach langsam abebbte, war das erste Aprildrittel so eisig wie seit 1970 nicht mehr. Nur zwei Wochen nach den letzten Wintertagen brachte uns ein Warmluftschwall aus Spanien bereits am 15. des Monats den ersten offiziellen Sommertag des Jahres (mindestens 25˚C) und gleichzeitig das Aprilmaximum. Insgesamt glichen sich die zu hohen und zu niedrigen Temperaturen über den Monat weitgehend aus.

Häufiger Hochdruckeinfluss sorgte für eine leicht überdurchschnittliche Sonnenscheinbilanz. Im Gegenzug blieb das sprichwörtliche Aprilwetter mit seinem typischen raschen Wechsel aus Sonne und Wolken, Regen-, Schnee- oder Graupelschauern weitgehend aus. Verbreitet kam im Kreis Uelzen nur gut die Hälfte des ohnehin sehr niedrigen klimatischen Niederschlagssolls (1961-1990) zusammen. Damit setzte sich die seit Anfang der 1990er Jahre zu beobachtende Austrocknung des Aprils weiter fort.

Von Reinhard Zakrzewski

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