Versuchter Mord: Zeugin berichtet aus Umfeld des Manfred O.

„War ein großer Schock“

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rast Uelzen/Lüneburg. „Nach der Tat haben bei uns alle Angst gehabt. Das kann ja jeden treffen.

“ Mit „bei uns“ meint eine 45-jährige Deutsche, die an der portugiesischen Westalgarve lebt und gestern vor dem Landgericht Lüneburg aussagte, den portugiesischen 1000-Seelen-Ort Odeceixe. Dort wurde, wie berichtet, am 18. Februar 2007 in einem einsam gelegenen Landhaus eine 44-jährige Wuppertalerin vermutlich mit einer Eisenstange fürchterlich zugerichtet. Wegen versuchten Mordes muss sich deshalb der 57 Jahre alte Uelzener Manfred O. vor dem Landgericht verantworten. Er schweigt zu dem Vorwurf.

Gestern sollte die Ehefrau des Angeklagten aussagen, doch sie machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Dafür gab die 45-jährige Zeugin kleine Einblicke ins Leben des Mannes, der mit seiner Familie jahrelang in dem kleinen portugiesischen Ort gewohnt hat. Die Zeugin war sowohl mit dem Angeklagten als auch mit der Restaurant-Chefin befreundet, in deren Landhaus das Verbrechen geschah. Sie erkannte Manfred O. auf einer Phantomskizze wieder. „Das war ein großer Schock für mich.“ Wenig später wurde der Uelzener verhaftet.

Die Töchter der Zeugin und des Angeklagten besuchten die Grundschule in Odeceixe. Wovon Manfred O. lebte, habe keiner gewusst, sagte die Frau. Er habe erzählt, nachts als Koch in einer größeren Stadt zu arbeiten. „Aber davon kann man nicht so luxuriös leben wie er, und seine Frau hat nicht gearbeitet.“ Der Mann habe einen sehr gut ausgestatteten VW-Bus gefahren, mit seiner Familie in einem Haus mit „toller Inneneinrichtung“ gelebt.

Erst später habe die Zeugin erfahren, dass es in der Familie des Angeklagten Geldprobleme gegeben habe: ,,Er hatte seit Dezember 2006 keine Miete mehr gezahlt.“ Und nach dem Tatzeitpunkt habe er sich „anders“ verhalten, sei nervös gewesen und habe plötzlich schon morgens viel Alkohol getrunken.

Dem Gericht sagte die Zeugin in Bezug auf die Tat: „Ich hätte ihm das nicht zugetraut, auch nicht die Einbrüche.“ Damit kam erstmals zur Sprache, dass O. offensichtlich vorbelastet ist – der Auszug aus seinem Strafregister wird zu einem späteren Zeitpunkt erörtert. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt; Ermittler aus Portugal berichten dann von ihrer Arbeit in diesem Fall.

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