Uelzens Stadtförster Thomas Göllner benötigt Tage, um die richtigen Bäume auszuwählen

Waldpflege mit der Motorsäge

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Forstwirt Udo Groß (links) und Azubi Paul Jörß sind seit knapp drei Wochen in einem Waldstück nahe Westerweyhe damit beschäftigt rund 1000 Festmeter Nadelholz zu schlagen und für die Abtransport vorzubereiten.

Uelzen. Eine echte Kunst des Försterberufs besteht darin, dass ein Waldstück auch dann noch nach Wald ausschaut, nachdem eine ganze Reihe von Bäumen gefällt worden ist. Das ist für Uelzens Stadtförster Thomas Göllner täglich Brot.

Zurzeit sind seine Mitarbeiter im einem Areal nahe Westerweyhe mit ihren knatternden Sägen unterwegs und legen Nadelbäume um. Rund 1000 Festmeter Fichten-, Douglasien- und Kiefernholz werden sie dort schlagen. Die Bäume hat Göllner zuvor mit roter Farbe markiert. Und bei dieser Arbeit, die mehrere Tage in Anspruch nimmt, muss sich der Waldexperte eben vorstellen, wie das am Ende aussieht. „Der Uelzener Stadtforst soll ja in seinem Charakter erhalten bleiben. Kahlschläge werden nicht gemacht“, sagt Göllner.

Es sind hauptsächlich Pflegemaßnahmen, die die Stadtforsten alljährlich zwischen Ende September und März vornehmen. Rund 60 Jahre sind die Bäume unweit des Netto-Marktes am Ortsrand von Westerweyhe alt. Damit die Besten und Kräftigsten von ihnen in den kommenden Jahrzehnten die so genannte Zielstärke von 60 bis 80 Zentimetern Stammumfang in 1.30 Metern Höhe erreichen, muss mancher Baum ringsherum weichen. Überall liegen in dem Abschnitt mittlerweile gefällte und entastete Baumstämme herum. „Man hat aber nicht das Gefühl, dass etwas fehlt“, sagt Göllner. Försterhandwerk eben.

Den Nadelbäumen geht es im Herbst an Rinde und Holz. Im Hochwinter schlagen Göllners Männer das wertvollere Laubholz. Erst müssten die Blätter runter sein, auch habe das Holz im Winter eine bessere Qualität und im übrigen seien Verkaufstermine einzuhalten, weiß Göllner. Zwar bringen Buche und Eiche mehr Erlös, aber die Menge des geernteten Holzes ist viel geringer. „Beim Laubholz schlagen wir zwischen 300 und 500 Festmeter“, sagt Thomas Göllner. Insgesamt werden in dem rund 1000 Hektar großen Stadtwald in dieser Fällsaison an die 4500 Kubikmeter Holz geschlagen. Das seien fünf bis zehn Prozent weniger als jährlich dazuwachse.

„An erster Stelle kommt bei der Forstwirtschaft heute die Nachhaltigkeit“, sagt der Stadtförster. Uelzens Wald hat außer ökologischen Funktionen auch eine soziale. Er ist eben auch das Naherholungsgebiet für die Hansestadt.

Außer der natürlichen Aussaat von Bäumen helfen die Stadtforsten jedes Jahr im Frühjahr nach. Im März und April werden erneut rund 20 000 neue, kleine Laubbäume gepflanzt. Denn auch in Uelzen soll der Anteil des Mischwaldes stetig steigen, so Göllner.

Von Jens Schopp

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