Von Woche zu Woche

Wahrheiten zur Autobahn 39

Unbeirrt übersteht sie Runde um Runde, allen Störfeuern zum Trotz: Die Autobahn 39 hat die nächste Hürde genommen, das Bundeskabinett hat dem rund 106 Kilometer langen Lückenschluss zwischen Lüneburg und Wolfsburg mit der Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplanes zugestimmt.

Die Reaktionen sind die üblichen: Die Befürworter des 1083 Millionen Euro teuren Projektes triumphieren, die Gegner versuchen diese neuerliche Niederlage kleinzureden. Gefragt sind jetzt Entschlossenheit bei den einen und Mut zur Wahrheit bei den anderen.

Thomas Mitzlaff

Zunächst zu den Wahrheiten: Die Region stand noch nie so nahe vor der Realisierung des A 39-Baus wie jetzt. Und die Autobahngegner sind bei allem Verständnis für ihr berechtigtes Interesse jetzt auch aufgefordert, die Tatsachen nicht allzu sehr zu verbiegen und den Menschen Sand in die Augen zu streuen.

Richtig ist: Das Projekt A 39 ist in den vordringlichen Bedarf eingestuft. Damit ist es im Prinzip durchfinanziert. Und es ist in der höchsten Stufe für Baumaßnahmen dieser Art eingegliedert. Was darüber steht, sind anders geartete Vorhaben, die mit solch einem Großprojekt nicht vergleichbar sind. Das kleinzureden bringt nichts.

Und zur Wahrheit gehört auch: Es wird keinen Ausbau der Bundesstraße 4 zwischen Lüneburg und Gifhorn geben und somit keine anders gelagerte Erleichterung für die lärmgeplagten Anwohner in den Ortschaften. Das ist in diesem Bundesverkehrswegeplan nicht vorgesehen und damit für die nächsten Jahrzehnte vom Tisch – egal ob eine A 39 gebaut wird oder nicht.

Spannend ist, wie sich die niedersächsische Landesregierung verhalten wird. Ministerpräsident Stephan Weil steht hinter dem Autobahnbau. Auch er weiß, dass es die (bei einer repräsentativen Umfrage festgestellte) schweigende Mehrheit der Bevölkerung auch tut. Mit nur einer Stimme Mehrheit regiert Rot-Grün das Land Niedersachsen. Es geht um ein Projekt, das für die Menschen hier von überragender, für unseren Nachbarlandkreis Salzwedel sogar von existenzieller Bedeutung ist. Daher kann man von einem Landesvater erwarten, dass er jetzt das Rückgrat besitzt und die entsprechenden Planungskapazitäten für eine Realisierung schafft.

Sollte einmal mehr in Niedersachsen der grüne Schwanz mit dem roten Hund wackeln, hätten die Sozialdemokraten ein Glaubwürdigkeitsproblem – und sie müssten sich dem Vorwurf aussetzen, Machterhalt und parteitaktisches Kalkül über das Wohl der Menschen zu stellen.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © dpa

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