Vorschlag für die Ehrenamtswahl: Kerstin Harms organisiert Hilfskonvois in polnische Region

Mensch 2015: Voller Einsatz für Masuren

Grünhagen. „Nein“, Kerstin Harms schüttelt den Kopf,. „halbe Sachen gibt’s da nicht.“ Nicht in der winzigen internationalen „Vernetzungszentrale“, in der sich die Grünhagenerin täglich viele Stunden einem großen Projekt widmet: Bedürftige im polnischen Masuren zu unterstützen.

Als Vorsitzende des Vereins „Freunde Masurens“, der mittlerweile rund 250 Mitglieder aus Deutschland, Russland, Portugal und sogar den USA zählt, gehört sie zu den zehn Nominierten bei der Wahl „Mensch 2015“, eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen. Bis Mittwoch, 27. Januar, können die AZ-Leser ihre Stimme abgeben – nur mit Originalcoupons aus der AZ. E-Paper-Kunden können aber auch mit einem Ausdruck des Coupons teilnehmen, wenn sie darauf ihre Kunden-Nummer eintragen.

Hilfe wird in der ehemals deutschen Provinz dringend benötigt, weiß die 53-jährige Kerstin Harms. Die Lebensmittelpreise seien hoch, die Renten niedrig, die Region lebe fast ausschließlich von der Tourismusbranche. „Nach der Saison werden die Schotten dicht gemacht, dann sind die meisten arbeitslos“, erzählt Harms. Und sie weiß, wovon sie spricht: Vier- bis fünfmal jährlich reist sie in die beliebte Urlaubsregion – mal mit dem Flugzeug, mal mit dem Bus, meist aber am Steuer eines voll beladenen Lkw: 17 Stunden Fahrt, tausende Kilometer mit Kisten voller gespendeter Hilfsgüter an Bord. Es sind Fahrräder, Gehhilfen, Schulmaterial, Hörgeräte, warme Kleidung für die kalten Masurischen Winter – Dinge, die sich viele Menschen dort nicht leisten können.

Zurück in die Vernetzungszentrale, den kleinen Büroraum, in dem die Fäden zusammenlaufen: Zwischen Selbstgebasteltem, buntem Geschenkband und Süßigkeiten – Zeugnisse polnischer Gastfreundschaft – verbringt Kerstin Harms manchmal sieben Stunden täglich damit, Kontakte zu Firmen zu knüpfen, Spendenaufrufe zu starten, nach Lagerräumen zu suchen, Formales und die Transporte zu regeln. Dass das harte Arbeit ist, daraus macht die Ehrenamtliche keinen Hehl, und doch ergänzt sie mit einem Lächeln: „Dann muss ich nichts essen und nichts trinken. Dann bin ich der glücklichste Mensch überhaupt.“

Seit der Vereinsgründung 2010 sind viele deutsch-polnische Freundschaften entstanden: Kerstin Harms, seit Anbeginn Vorsitzende, ist sichtlich gerührt, als sie auf die Schulpartnerschaften zu sprechen kommt und ihre eigenen zwei Patenkinder, auf die Herzlichkeit der Bedürftigen. „Man gibt wenig, aber man kriegt so viel zurück.“

Und das Jahr 2016 ist gerade erst angebrochen, da ist die Grünhagenerin bereits für eine Scheckübergabe in das Nachbarland gereist. Als nächstes steht der Transport der übrigen Fahr- räder aus der letzten Hilfsaktion an. Rund 40 haben in Garagen in Grünhagen überwintert, über 100 wurden bereits nach Masuren gebracht. Nein, Kertin Harms macht keine halben Sachen.

Von Anna Petersen

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