Ohne viel Technik-Tamtam: Internet- und Computernachrichten erklärt von AZ-Online-Redakteur Michael Koch

"Volksverschlüsselung" – Wieso? Liest jemand meine E-Mails mit? Ja!

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Die Telekom und das Fraunhofer-Institut haben die Initiative „Volksverschlüsselung“ ins Leben gerufen, damit E-Mails nicht mehr unverschlüsselt durch das Netz wandern.

Uelzen. Ein Leben ohne E-Mails – für uns heute undenkbar. Aber wie steht’s mit der Sicherheit: Kann jemand anderes mitlesen? Warum startet die Telekom jetzt die Initiative „Volksverschlüsselung“? Werden unsere E-Mails womöglich schon mitgelesen? Soviel vorweg: Ja, werden sie. Und sich schützen erfordert Eigeninitiative.

Unsere E-Mails werden grundsätzlich nicht verschlüsselt übertragen. Wir wissen nicht, wie viele Computer sie auf ihrem Weg vom Absender bis zum Empfänger passieren – vielleicht auch jene von Geheimdiensten? Suchmaschinen-Gigant Google etwa macht keinen Hehl daraus, dass er die Mails seiner Google-Mail-Nutzer „scannt“.

Michael Koch

Wer nicht möchte, dass seine elektronische Post mitgelesen werden kann, der muss sie verschlüsseln. Das Verschlüsseln von E-Mails war lange Zeit nur erfahrenen Nutzern vorbehalten. Jetzt gibt es aber auch Anleitungen sowie Software für weniger erfahrene Nutzer: In wenigen Schritten kann der eigene E-Mail-Verkehr verschlüsselt werden. Zahlreiche Betriebssysteme und Mail-Programme werden unterstützt.

Als Lektüre empfehlenswert ist die Webseite verbraucher-sicher-online.de – ein Projekt der Technischen Universität Berlin, gefördert vom Bundesministerium für Verbraucherschutz. Dort wird relativ einfach beschrieben, wie Verschlüsselungssoftware installiert werden kann.

Bei der E-Mail-Verschlüsselung sprechen Fachleute von der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Vereinfacht gesagt, wird der E-Mail-Inhalt dabei durch Mail-Programme wie etwa Outlook verschlüsselt und erst danach versendet. Noch immer weiß der Absender dann nicht, wie viele andere Computer seine Mail bis zum Empfänger durchwandert. Das spielt aber auch keine Rolle mehr. Nur der Empfänger ist im Besitz des sogenannten Keys, also des Schlüssels, um die E-Mail aus ihrer kryptischen Zeichenfolge wieder in die lesbare Form zu übertragen.

Spätestens seit dem NSA-Skandal wird die Verschlüsselung von E-Mails immer wichtiger. Die aktuelle Initiative „Volksverschlüsselung“ der Telekom scheint zumindest auf den ersten Blick ein guter Ansatz. Allerdings besitzt sie in der jetzigen Fassung zu viele Einschränkungen: Nur Windows-PCs werden unterstützt und praktisch nur Telekom-Festnetzkunden. Für die Nutzung der „Volksverschlüsselung“ bedarf es außerdem einer Ausweispflicht. Im schlimmsten Fall könnten Nutzer der „Volksverschlüsselung“ somit eindeutig zugeordnet werden. Wer seine Mails also verschlüsseln will, der sollte (derzeit noch) auf das im Artikel beschriebene Alternativ-Angebot ausweichen – das ist kostenlos, seriös und einfach.

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