Melzinger machen mobil: Mit Pony Miss Möhrchen kämpften sie in Uelzen für den Immenhof

Mit Vierbeinern gegen Bahnpläne

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Bedruckte T-Shirts, Plakate und vierbeinige Unterstützung: Die Melzinger machten gestern ihrem Unmut Luft.

Uelzen. Ratternde Züge statt Hufgetrappel? Mit der Ponyhof-Idylle bei Melzingen könne schon bald Schluss sein, befürchtet Brigitte Schulz.

Denn durch eine mögliche Realisierung der Bahn-Neubaupläne zur besseren Hafen-Hinterland-Anbindung würden die Wege zu den Weiden zerschnitten und Geländestrecken für Reiter zerstört, ist sich die Melzingerin sicher. Ihrem Unmut machte sie gestern in der Uelzener Innenstadt Luft – und zwar in vierbeiniger Begleitung.

Mit Ponystute Miss Möhrchen am Strick und großen Transparenten im Gepäck machte sie am Info-Stand zu den Varian-ten der Y-Trasse mobil gegen die Neubaupläne. Brigitte Schulz sorgt sich um die Existenz des Hofes: „Wer möchte nun künftigen Immenhofer Ponykindern erklären, dass unter Umständen bald alle nur noch auf dem Reitplatz oder in der Halle reiten dürfen, weil es kein sicheres Ausreitgelände mehr geben wird?“, fragt sie.

Der Info-Stand ist ein Element der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Dialogforums „Schiene Nord“. Nach der ersten Sitzung des Gremiums macht die Vom Hoff Kommunikation GmbH in den kommenden Wochen Station in den betroffenen Regionen, um deren Bewohner über das Forum zu informieren und ihre Anliegen entgegenzunehmen. Rund 30 ausformulierte Sorgen und Fragen seien innerhalb einer Woche online eingegangen, schätzt Marcel Winter, Pressesprecher des Dialogforums. Diese würden bei der zweiten Sitzung am 24. April Gehör finden. „Da werden die Gutachter Rede und Antwort stehen.“

Fragen jedenfalls gibt es viele: Laut Winter interessierten sich die Bürger vor allem dafür, auf welcher Grundlage man sich für die diskutierten Trassen entschieden habe.

Für den Varendorfer Julian Fischer jedenfalls steht fest: Die Zerschneidung der Landschaft sei beim Vergleich der Varianten nicht berücksichtigt worden. [...]

Das Team des mobilen Info-Standes plant noch einen weiteren Halt in Uelzen – und zwar am Donnerstag, 12. März, von 14 bis 17 Uhr vor der Parfümerie Douglas.

Das hat er auch auf dem Anliegenkärtchen notiert. Seiner Ansicht nach müsse die Bürgerbeteiligung noch weiter gehen – etwa in Form finanzieller Unterstützungen der Bürgerinitiativen zur Erstellung von Gutachten. Ihm und auch Schulz war zudem der Zeitpunkt der gestrigen Aktion ein Dorn im Auge: Nachmittags müssten die meisten schließlich arbeiten.

Wer aber durch die Bahnhofstraße schlenderte, der kam gestern an Miss Möhrchen und den Protestlern nicht vorbei. Unter ihnen Jennifer Hellenkemper: „Wir kämpfen darum, dass unsere Landschaft bestehen bleibt, damit unsere Kinder weiter die Möglichkeit haben, draußen zu spielen“, sagt die Melzingerin und hält nebenbei Miss Möhrchen mit Karotten bei Laune. Mit tierischer Unterstützung durch Rüde Nando reiste auch Monika Kielmann aus Bohlsen an. Sie organisiert die Paralympics für Hunde, die auf dem Immenhof stattfinden. Viele der Vierbeiner seien traumatisiert und reagierten verängstigt auf Lärm, erklärt sie. „Wenn die Trasse kommt, können wir auf dem Immenhof keine Paralympics mehr machen.“

Von Anna Petersen

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