„Wir buchen alles um“

Viele Reisebüro-Kunden im Landkreis Uelzen machen Bogen um Türkei-Urlaub

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Ungetrübtes Urlaubsglück? Viele haben da in Sachen Türkei zurzeit ihre Zweifel.

Uelzen/Landreis. Ganze Gegenden können abgeriegelt oder evakuiert werden. Ausgangssperren und die Kontrolle oder gar das Verbot von Medien sind möglich.

Der in der Nacht zu gestern in Kraft getretene Ausnahmezustand in der Türkei sorgt dafür, dass sogar Grundrechte aufgehoben werden können. Und in den Reisebüros des Landkreises Uelzen wird dieser Tage deutlich: Viele möchten unter diesen Umständen ihren Urlaub lieber nicht in diesem Land verbringen.

Schon seit längerem seien Türkei-Buchungen rückläufig, sagt Manuela Lohan vom First Reisebüro Eichmann in Bad Bevensen gestern auf AZ-Nachfrage. „Und die Buchungen, die wir aktuell haben, da buchen wir gerade alles um.“ Zwar liege für die türkische Riviera als Haupturlaubsregion keine Reisewarnung vor, weswegen die Kunden auch Umbuchungsgebühren selbst tragen müssten. „Aber das nehmen sie in Kauf“, weiß Manuela Lohan. „Die großen Gewinner sind jetzt Spanien, die Balearen und Kanaren und auch Griechenland und die griechischen Inseln. Das wird auch für die Herbstferien gebucht“, so Lohan.

Norbert Piepenburg vom gleichnamigen Reisebüro in Bienenbüttel bietet Türkei-Reisen schon seit einem Jahr von sich aus gar nicht mehr an. „So lange es Alternativen gibt, switchen wir um auf andere Zielgebiete“, sagt er. Fuerteventura zum Beispiel biete derzeit nicht nur ausreichend Kapazitäten, sondern auch noch gutes Wetter. Er habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass Kunden partout in die Türkei reisen wollen. „Viele, die sich vielleicht sonst keinen Urlaub leisten könnten, wollen das jetzt ausnutzen und für 250 Euro in die Türkei oder nach Ägypten fliegen – und möglicherweise ihr Leben riskieren.“

Einen Kunden hatte auch Bettina Spröde, der noch am Sonnabend – einen Tag nach dem gescheiterten Militär-Putsch – eine Türkei-Reise gebucht hat und Sonntag los geflogen ist. „Wir haben ihn auf die Lage hingewiesen“, sagt die Inhaberin des Reisebüros Bodenstedt in Uelzen, „aber er wollte es trotzdem.“ Auch vor dem Putsch-Versuch habe es bei Bodenstedt „noch diverse Buchungen“ gegeben, sagt Bettina Spröde. Umbuchungen oder Stornierungen gebe es keine. „Die Leute sagen sich: Wenn da was wäre, dann würden ja auch Reisewarnungen herausgegeben werden.“

Von Ines Bräutigam

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