Wer Quad fahren will, braucht nur einen Autoführerschein – doch die Gefährte haben es in sich

„Viel Rumms unter der Haube“

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Werden häufig unterschätzt: Quads tummeln sich in verschiedenen Fahrzeuggattungen im Gelände oder auf der Straße. Unfälle führen oft zu schweren Verletzungen.

Uelzen/Landkreis. Er war nach links von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt: Für einen 29-jährigen Mann endete am Mittwochabend die Fahrt mit einem Quad tödlich (AZ berichtete).

Die kleinen Fahrzeuge auf vier Rädern haben es in sich. „Das Problem ist, dass manchmal viel Rumms unter der Haube ist – unter der nicht vorhandenen“, weiß Antje Freudenberg, Sprecherin der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen. Dennoch: Wer Auto fahren darf, darf auch Quads fahren, denn in einem normalen Pkw-Führerschein ist eine Fahrerlaubnis dafür inbegriffen.

Dabei könnte eine Einweisung vorab durchaus sinnvoll sein, erklärt Freudenberg. Zwar werden Unfälle mit Quads in der Polizeistatistik nicht gesondert erfasst, dennoch sei bekannt, dass in den meisten Fällen Fahrfehler eine Rolle spielten. Gut 85 Prozent der Unfälle, in die Quad-Fahrer verwickelt sind, verursachen diese laut Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) selbst.

Hinter dem Steuer gilt es auf vieles zu achten: Körperbetontes Fahren, wie man es etwa von Bikern kennt, funktioniere nicht, weiß Freudenberg. „Beim Quad kann man sich nicht in die Kurve legen.“ Laut UDV-Untersuchung sind zwei Drittel der Fahrunfälle von Quads der Unfallart „Abkommen von der Fahrbahn nach rechts/links“ zuzuordnen.

Und: Die Vierräder können besonders schnell umkippen, erklärt Uelzens Polizeistreifendienstleiter Ralf Munstermann.

Das Risiko bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet zu werden ist, laut Untersuchung mit einem Quad rund zehnmal höher als mit dem Auto.

Quads tummeln sich in verschiedenen Fahrzeuggattungen im Gelände oder auf der Straße, dienen aber fast ausschließlich dem reinen Freizeitvergnügen. Von einem „Massenphänomen“ im Landkreis Uelzen könne man bislang jedoch nicht sprechen, sagt Munstermann.

Kommt es zum Unfall, sind die Verletzungen oft besonders schwer. Denn eine Knautschzone haben die offenen Gefährte nicht. Genauso wie Motorradfahrer werden sie durch ihre schmale Silhouette oft nicht oder zu spät wahrgenommen, erklärt Polizeisprecher Kai Richter.

Die Polizei appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, während der Saison besonders vorsichtig zu fahren. Ralf Munstermann: „Wenn sie auf eine Vorfahrtstraße kommen, besser dreimal gucken als einmal.“

Von Anna Petersen

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