3. AZ-Pressetreff gestern Abend gab Einblicke in den DRK-Kreisverband

Viel mehr als nur Wohlfahrt

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Auf fast 70 Seiten präsentiert der Herausgeber Allgemeine Zeitung schlagkräftige Wirtschaftsunternehmen der Region, Innovationen und Traditionen – Verlagsleiterin Heike Köhn und Chefredakteur Andreas Becker stellten den Wirtschaftsspiegel vor.

Uelzen. Der DRK-Kreisverband – eine mildtätige Wohlfahrtseinrichtung? Dass die 580 Mitarbeiter zählende Einrichtung viel mehr als das ist, das machte Heinz Meierhoff gestern Abend beim dritten AZ-Pressetreff im Mehrgenerationenzentrum des Roten Kreuzes an der Ripdorfer Straße deutlich.

Der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes zeichnete vor einer illustren Gästeschar aus Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden ein umfangreiches Bild eines modernen Dienstleistungsunternehmens.

Zuvor hatte AZ-Verlagsleiterin Heike Köhn die Eingeladenen begrüßt und hatte AZ-Chefredakteur Andreas Becker den aktuellen „Uelzener Wirtschaftsspiegel“, das Magazin der Wirtschaft für Stadt und Landkreis, vorgestellt. Auf knapp 70 Seiten geht es in der inzwischen zweiten Auflage des Hochglanz-Formats vor allem um die Ernährungswirtschaft der Region, aber auch um Innovationen, bei denen Wirtschaft und Wissenschaft Hand in Hand wirken, oder heimische Unternehmen.

Heinz Meierhoff (rechts) gewährte interessierten Gästen Einblicke in die Wohnanlage des DRK-Kreisverbands. Fotos: Reuter

Eines dieser Unternehmen ist auch der DRK-Kreisverband, wie ihn zunächst der Vorstandsvorsitzende Konrad Lampe in seiner Begrüßung als Gastgeber vorstellte und wie ihn anschließend Heinz Meierhoff ausführlich umriss. Ein so vielfältiges Dienstleistungsgeflecht, das vom Betrieb von Kindertagesstätten im gesamten Landkreis bis hin zum Pflegedienst diverse soziale Angebote unter einem Dach vereint, verlange, so Meierhoff, nach einer „Führung, die nicht nur mildtätig ist“. Denn die Wünsche der Kunden seien klar: Man wolle möglichst viel, und davon bitte reichlich. Außerdem setzten viele Menschen – insbesondere auch Kommunen, zum Beispiel mit der Übertragung des Betriebes von Krippen, Jugendhilfeeinrichtungen oder Kindergärten – großes Vertrauen ins DRK. Dem gegenüber stünden begrenzte finanzielle Mittel. Manchmal, räumte der DRK-Geschäftsführer ein, mache dieses Spannungsfeld es schwer, allen Interessen gerecht zu werden.

AZ-Verlagsleiterin Heike Köhn und DRK-Chef Heinz Meierhoff (Mitte) begrüßten die Gäste am Mehrgenerationenzentrum.

Vor allem die Arbeit in und mit Verwaltungen habe sich im Laufe der Jahre verändert, bemerkte Meierhoff und sprach Uelzens Ersten Stadtrat und Kämmerer Jürgen Markwardt direkt an. So habe sich die Stadt Uelzen von einem reinen Verwaltungsapparat zu einem „innovativen Unternehmen“ gemausert. „Und auf einmal sitzen da Kostenrechner“, so der DRK-Chef, die obendrein auch noch eine Entschuldung der Kommune anstrebten. Auch vor diesem Hintergrund müsse sich das DRK immer wieder aufs Neue organisieren und mit den Entwicklungen Schritt halten. Und das größte Kapital, was es dabei habe, seien die hoch qualifizierten Mitarbeiter, die man mittlerweile – nicht zuletzt auch wegen des Mangels an Arbeitskräften im Rettungsdienst oder Pflegebereich – in eigenen Fortbildungseinrichtungen schule.

Dass es auch kritische Stimmen gebe, die eine „monopolistische Stellung“ des DRK nicht gut hießen, sei in gewisser Weise verständlich, räumte Meierhoff ein. Allerdings müsse man unterscheiden, ob ein Monopol marktschädlich sei oder sinnvoll. Denn: „All das funktioniert nur, weil wir über die Menge eine Leistung erbringen können.“ Und letztendlich ermöglicht diese Menge und Größe auch, dass eine gewisse Wertschöpfung in der Region verbleibe: So wurden in den vergangenen Jahren zwischen 18 und 22 Millionen Euro in Neubauprojekte investiert, werden jährlich Aufträge in Höhe von rund 500 000 Euro an das heimische Handwerk vergeben und fallen pro Jahr 16 Millionen Euro Personalkosten an.

Die Zukunft, gab Heinz Meierhoff abschließend zu bedenken, werde alle vor neue Herausforderungen stellen – nicht zuletzt wegen des viel zitierten demografischen Wandels, der nach seiner Auffassung spätestens 2020 spürbar durchschlagen werde. Immer mehr älteren Menschen – hier sind vor allem die in dünn besiedelten Gebieten zu betrachten – stünden fehlende Pflegekräfte gegenüber. „Wer glaubt, dass die ambulante Pflege in der Fläche sichergestellt ist, irrt“, machte der DRK-Geschäftsführer unmissverständlich klar.

Nach so viel eindringlichen Worten war es dann an der Zeit, sich in ungezwungener Atmosphäre in Gespräche zu vertiefen, einen Blick in die DRK-Wohnanlage zu werfen oder auch sich auf den nächsten AZ-Pressetreff zu freuen – dann im Badue mit Niedersachsens grünem Umweltminister Stefan Wenzel.

Von Ines Bräutigam

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