Mehre: Niels Odefey zieht mit seinen Hühnern nach Gut Manhagen bei Kiel

Vertrieben vom Hühnertrockenkot

Umzug von Mehre nach Schleswig-Holstein: Niels Odefey bringt seine Küken zum Gut Manhagen, um sie dort großzuziehen. Auslöser war der Hühnertrockenkot auf dem Grundstück des benachbarten Landwirts. Foto: Ph. Schulze

Mehre. Seit 15 Jahren hat sich Niels Odefey aus Mehre mit seinen Hähnchen eine Existenz aufgebaut, doch nun ist Schluss. Trotz zehn Hektar eigenem Land kann er seine Freiland-Geflügelmast nicht weiter fortführen.

„Dies liegt an meinem Nachbarbauern, die immer mehr Hühnertrockenkot (HTK) als Dünger auf ihren Äckern einsetzen“, beklagt sich Odefey.

Im März wurden direkt neben seinem Freiland drei Lkw-Ladungen mit HTK abgekippt und Odefey ließ Proben in einem Labor auf Rückstände untersuchen (die AZ berichtete). Das Ergebnis war katastrophal: Antibiotika-resistente Keime, Salmonellen und Colibakterien wurden in einer sehr hohen Konzentration nachgewiesen. Eine Ausbringung konnte dennoch nicht verhindert werden. Landwirtschaftsminister Gert Lindemann teilte ihm persönlich mit, „dass die nachgewiesene Keimbelastung nicht geeignet ist, eine Verfügungssperre zur Ausbringung nach der geltenden Rechtslage zu begründen“.

Deutscher „Wirtschaftsdünger“ unterliegt nach den Gesetzen keinen Auflagen und wird auch nicht auf Rückstände seitens der Behörden untersucht. Ganz im Gegensatz zu holländischem Trockenkot. Hierfür ist das Uelzener Veterinäramt zuständig, könnte von Amts wegen Proben entnehmen und auch eine Ausbringung untersagen. „Eine Rechtslage, die unsere Gesundheit massiv gefährdet“, wie Odefey betont.

Er ließ sich in den vergangenen Monaten von ausgewiesenen Fachleuten wie Dr. Thomas Fein beraten. „Mir ist das Risiko der Infektion meiner Hühner einfach zu groß“ teilte er unlängst anlässlich eines Vortrages an der Universität Göttingen mit. Dort ging es um die Zucht eines Zweinutzenhuhnes für Fleisch und Eier, an der Odefey sich mit Versuchen stark engagiert hat. Diese Versuche und die „Gockelmast“ seines Geflügels finden nun demnächst woanders statt: auf dem Gut Manhagen bei Kiel. Dort hat Thomas Hoof, der Gründer von Manufactum, einen Musterbetrieb für Rinder und Schafe nebst eigener Käserei geschaffen. Hier wird Odefey in einem FFH-Gebiet neben der Arche Warder nun seine „Bauerngockel“ aufziehen. Die letzten Küken werden in rund zwei Wochen nach Manhagen umziehen. Die Ställe für die Freilandmast wurden in den letzten Tagen in Mehre abgebaut und auf Anhänger verladen.

Nachdenklich sitzt Odefey auf der Bank vor seiner jahrhundertealten Hofstelle und sinniert: „Die aktuelle Entwicklung der Agro-Industrie mit all ihren Facetten vernichtet bäuerliche Strukturen und gefährdet massiv unsere Gesundheit. Der Landkreis Uelzen ist hiervon besonders stark betroffen.“ So verliert der Landkreis wohl einen nicht immer bequemen „Querdenker“, der jedoch konsequent seine einmal gesteckten Ziele verfolgt und nachhaltiges Denken zu seinem Prinzip gemacht hat. Den Hof in Mehre will er in ökologisch hochwertige Mietwohnungen umbauen und sich nach und nach aus dem Landkreis verabschieden.

Von Jörn Nolting

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