Von Woche zu Woche

Vertrauen in der Flüchtlingsfrage

Dass Asylbewerber im Landkreis Uelzen nicht in Turnhallen oder Zelten übernachten sollen – darüber herrscht Einigkeit zwischen Verwaltung und Bürgern. Doch es ist eine Einigkeit mit Abstrichen.

Denn angesichts rasant steigender Flüchtlingszahlen ist man im Kreishaus zu Entscheidungen gezwungen, die nicht nicht nur auf Zustimmung treffen: Weil nicht mehr genug passender Wohnraum vorhanden ist, ist nun doch die Unterbringung von Asylsuchenden in Sammelunterkünften geplant. Professionelle Betreiber sollen unter anderem die sozialpädagogische Betreuung gewährleisten, Anwohner aber – das wurde bei der ersten Informationsveranstaltung zu diesen Plänen Anfang der Woche deutlich – zweifeln an der Kompetenz der Anbieter.

Jetzt ist Vertrauen gefragt. Vertrauen in die Verwaltung, die bei der Wahl der Betreiber auf deren Erfahrungsschatz setzt. Denn allein durch ehrenamtliches Engagement kann eine gute Integrationsarbeit nicht gelingen, die Flüchtlingssozialarbeiterin des Jugendmigrationsdienst des Christlichen Jugenddorfes (CJD) Göddenstedt, Swantje Dost-Kraft, kann mit 20 Wochenarbeitsstunden den Sorgen der aktuell rund 444 Asylbewerber kaum gerecht werden. Und die Zahl der Flüchtlinge steigt weiterhin rasant. 50 000 Euro, die die Kreispolitik für eine Verbesserung der Situation vorsieht, sind ein Tropfen auf den heißen Stein.

Was fehlt, ist ein Konzept, das Land und Bund nicht haben, ein erfahrener Betreiber vor Ort aber durchaus stellen könnte – und die lokalen Akteure einbindet und entlastet. Das mag eine umstrittene Lösung sein, aber eine, die wohl unausweichlich ist.

Und vielleicht birgt sie sogar Chancen. Die Verantwortung für die Unterbringung der Asylsuchenden bleibt weiterhin in den Händen der Verwaltung. Ihr ist schon deshalb daran gelegen, bei der Betreiberwahl Vor- und Umsicht walten zu lassen.

In der Politik derweil läuft sie Suche nach den Verantwortlichen für das Dilemma. Ist es der Landkreis, dessen Forderungen an das Land nicht deutlich genug sind, oder das Land, das zu wenig finanziellen Spielraum erwirkt? Fest steht: Die Menschen, die hier Schutz vor Krieg und Terror suchen, verdienen größtmögliche Unterstützung – und die gibt es nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Vertrauen ist der Schlüssel dazu.

Von Anna Petersen

Rubriklistenbild: © Bräutigam

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