Douglas-Bande: Mehrjährige Haft für Ismail N. und Robert K.

Verteidiger spricht von hartem Urteil

Uelzen/Lüneburg. Gestern Nachmittag, 13. 45 Uhr, Landgericht Lüneburg, Saal 121: Richter Axel Knaack verkündet das Urteil im ersten Prozess gegen Mitglieder der Douglas-Bande.

Wegen gefährlicher beziehungsweise gemeinschaftlicher Körperverletzung werden die Angeklagten Ismail N. zu drei Jahren Haft und Robert K. zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Obendrein müssen sie den Geschädigten 4000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Plus Zinsen. „Ein ziemlich hartes Urteil“, wie der Verteidiger von Robert K. , der Uelzener Rechtsanwalt Volker König im Anschluss der Verhandlung gegenüber der AZ betonte.

Trotz des Richterspruchs durften die beiden Verurteilten, die im Juli 2011 nach Auffassung des Gerichts einen 41-Jährigen in der Uelzener City mit einer Flasche beworfen und anschließend das am Boden liegende Opfer getreten hatten, vom Gerichtssaal den Weg nach Hause antreten. Hintergrund: Sofern die Verteidigung keine Revision einlegt, wird das Urteil erst nach einer Woche rechtskräftig. Anschließend tritt die Staatsanwaltschaft als Vollstreckungsbehörde in Aktion und weist die Verurteilten an, ihre Haft anzutreten.

Nicht zu vergessen: Richter Knaack sah keine Fluchtgefahr bei den Männern. „Grundsätzlich versuchen wir im Jugendstrafrecht, eine U-Haft zu vermeiden. Da sowohl Ismail N. als auch Robert K. neun Monate in U-Haft gesessen haben, dürfte das bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Die Beiden wissen, was ihnen droht, wenn sie wieder etwas machen“, so der Jurist. Und: „Wir befinden uns im Jugendstrafrecht. Dort steht der Erziehungsauftrag im Vordergrund. Unser Maßstab ist nicht das Sühnebedürfnis des Opfers.“ Gleichzeitig bescheinigte der Richter Ismail N., während der Tat „voll steuerungsfähig“ gewesen zu sein. Allerdings bestehe bei dem heute 20-Jährigen ein „erhebliches erzieherisches Defizit“. Robert K. attestierte Knaack eine „unausgereifte Persönlichkeit“ mit ebenfalls krimineller Vorgeschichte. Mildernd habe sich sein Geständnis ausgewirkt.

Kaum hatte der Richter nach 22 Verhandlungstagen sowie der Anhörung und Vernehmung von drei Sachverständigen und 57 Zeugen das Urteil gesprochen und begründet, kündigte Rechtsanwalt König für seinen Mandaten an, Revision einzulegen. Mit der Folge, dass das Verfahren dann vor dem Bundesgerichtshof landet. Unabhängig von dessen Ausgang machte der Richter deutlich, dass es im Rechtsstaat eine Grundvoraussetzung sei, „ein angstfreies Leben zu führen“. Dies sei während des Prozesses nicht bei allen Beteiligten möglich gewesen. „Wir hatten hier Zeugen sitzen, die hatten Angst. Wie kommt es dazu?“, fragte Knaack, um eine Teilantwort zu geben: Es sei ein besonderer Fall gewesen – mit einem riesigen Medieninteresse. Und ein Fall, der bis nach Hannover hohe Wellen geschlagen habe. So habe sich zwischenzeitlich sogar die Politik eingeschaltet und klare Sanktionen gefordert. Ob die jetzt zur Anwendung kommen, werden die nächsten Wochen zeigen.

Von Andreas Becker

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