Anwohner der Ebstorfer Straße warten vergeblich auf Briefe: Die Post erklärt „Empfänger unbekannt“

Das verschwundene Haus

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Ein Phänomen, das sich selbst die Post nicht erklären kann: Einmal pro Jahr findet sie wochenlang dieses Haus nicht.

Uelzen. Es ist eine Post-Posse, die für die Hausbesitzer mit Unannehmlichkeiten und Kosten verbunden ist: „Einmal im Jahr verschwindet unser Haus“, sagt Hans Heinrich Lerch hilflos.

Seine Immobilie an der Ebstorfer Straße 37A in Uelzen ist seit 2011 regelmäßig jedes Jahr für einen Zeitraum von mehreren Wochen wie vom Erdboden verschluckt – zumindest wenn es nach der Deutschen Post geht. Briefe werden Lerch und seiner Ehefrau Charlotte Vianden in diesen Phasen nicht zugestellt und gehen mit Vermerken wie „Empfänger unbekannt“ an die Absender zurück.

DHL hingegen erkennt das von der Straße aus gut einsehbare Haus und liefert Pakete zuverlässig aus, betonen Vianden und Lerch. Besonders ärgerlich für die beiden, die ihre Firmen im selben Haus haben: Sie könnten Probleme mit Anmeldefristen ihrer Kunden oder mit Versicherungspolicen sowie Schufa-Einträgen wegen unbezahlter Rechnungen bekommen. Zwischen Mai und Juli wunderte sich nicht nur die Gebäudeversicherung darüber, dass Lerch „unbekannt verzogen“ sein sollte. Auch die Bank, bei der Charlotte Vianden seit Jahrzehnten ein Geschäftskonto hat, erhielt die Kontoauszüge wieder zurück. Ihr ist das „peinlich“, sagt sie. „Ich frage mich, wo ist die andere Post geblieben?“

Vielleicht meldet sich nicht jeder bei ihnen telefonisch, wenn Briefe oder Kataloge zurückgesendet werden, vermutet sie. Und am Dienstag ging eine Rechnung von einer Uelzener Firma an das Paar heraus – bis gestern habe diese den Weg über die Deutsche Post nicht zur 37 A gefunden.

Das vierte Jahr in Folge versuchen Lerch und Vianden, einen zuständigen Mitarbeiter bei der Post zu erreichen, doch Fehlanzeige: Im Jahr 2011 gab es zwar noch einen Brief vom Kundenservice, in dem Besserung gelobt wurde. Von der Poststelle in Uelzen werden sie Jahr für Jahr ans Callcenter verwiesen und bei diesem erhalten sie Beschwerdenummern, aber keine Rückrufe. „Das ist auch nicht vorgesehen“, sagt Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt auf AZ-Nachfrage. Eine Beschwerde sei aber weitergeleitet worden. Doch selbst er ist irritiert und kann sich das Phänomen nicht erklären. „Der Zustellbezirk ist gut besetzt“, sagt er und kündigt an, das Ehepaar weiterhin „im Auge“ zu haben.

Von Diane Baatani

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