Ukraine-Geschäft der Stadtwerke: Verhandlungen mit Investoren dauern an

Verkauf verzögert sich

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Ukrainische Banken nehmen derzeit keine Auszahlungen vor, auch Kredite werden kaum vergeben, so die Stadtwerke Schwäbisch Hall – ein Problem für Investoren.

Uelzen. Die Verhandlungen zum Verkauf des Landwirtschafts-Geschäfts der Stadtwerke Uelzen in der Ukraine verzögern sich aufgrund der politischen Lage vor Ort. Das erklärt der Geschäftsführer der Sustainable Bio Energy (SBE) Holding, Johannes van Bergen.

Ukrainische Banken würden Kredite gar nicht mehr oder lediglich zu einem extrem hohen Zinssatz vergeben, daher hätten die dortigen Interessenten derzeit Probleme, eine Finanzierung für den Kauf der ukrainischen Tochtergesellschaften der SBE sicherzustellen. Dennoch rechnet er damit, dass innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Vertrag abgeschlossen werden kann.

Wie berichtet, hat einer der Interessenten die Bewirtschaftung der Felder der SBE in der Ukraine übernommen. Sollte derjenige am Ende nicht den Zuschlag für den Kauf bekommen, soll ihm die geleistete Arbeit bezahlt werden. Zur aktuellen Situation will sich der Uelzener Stadtwerke-Chef Markus Schümann auf AZ-Nachfrage nicht äußern, da die Verkaufsverhandlungen vom Mehrheitsgesellschafter, den Stadtwerken Schwäbisch Hall, geführt würden, deren Chef der SBE-Geschäftsführer van Bergen ist.

Nach dessen Angaben gibt es derzeit vier Investoren, mit denen die SBE wegen einer Übernahme tausender Landpachtverträge sowie der vorhandenen Maschinen und der Vorfinanzierung für die Ernte 2014 verhandelt. Neben zwei ukrainischen potenziellen Käufern hätten ein zypriotischer und ein deutscher Finanzinvestor Interesse signalisiert. Aufgrund der derzeit unsicheren wirtschaftlichen Beziehung zwischen den Ländern und der Schwierigkeiten der dortigen Banken, mit denen die SBE zusammenarbeitet, sei dennoch „der Verkauf an die ukrainischen Investoren wahrscheinlich einfacher als an ausländische Investoren“, erklärt van Bergen.

Für van Bergen ist jedoch wichtig, dass trotz der schwierigen Situation „die Geschäfte weiterlaufen, damit kein Schaden entsteht“, sagt er. Und das funktioniere derzeit auch, betont er.

Wenn die ukrainischen Tochtergesellschaften verkauft werden, besteht die SBE weiter, solange die Stadtwerke Schwäbisch Hall und die Stadtwerke Uelzen über die Verteilung des Verkaufserlöses verhandeln, teilt er mit. Der örtliche Energieversorger hat bereits rund fünf Millionen Euro aus dem Projekt abgeschrieben, die Partner aus Schwäbisch Hall könnten letztendlich bis zu zehn Millionen Euro mit der SBE verloren haben. In welcher Höhe die unterschiedlichen Ansprüche an einen möglichen Verkaufserlös ausfallen, ist noch offen. „Ich sehe das völlig sportlich, wenn da unterschiedliche Rechtsfragen bestehen, dann muss man das klären, möglicherweise vor Gericht“, sagt van Bergen. Selbst wenn sich die Prozesse über ein oder zwei Jahre erstrecken, sei das für ihn unproblematisch.

Von Diane Baatani

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