Verein zur Betreuung Straffälliger beantragt bei Kreis und Stadt höhere Zuschüsse

Finanziell an der Grenze

Margot Schreiner betreut in den Räumen des Vereins „Jugendhilfe Uelzen“ an der Ripdorfer Straße straffällig gewordene Jugendliche. Foto: Reuter

Uelzen. Der Verein „Jugendhilfe e. V. Uelzen“, der sich jährlich um rund 100 straffällig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene kümmert, ist finanziell an seine Grenzen gestoßen.

Ohne höhere Zuschüsse vom Landkreis und von der Stadt Uelzen sei eine Betreuung der Straffälligen in der bisherigen Qualität nicht mehr möglich, erklärte der Geschäftsführer Dieter Kratzert am Mittwochabend während der Sitzung des kreislichen Jugendhilfe-Ausschusses. Aus diesem Grund habe der Verein entsprechende Anträge gestellt.

Über Jahre habe der Verein noch durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und auch Zuwendungen aus dem Bußgeldfonds die geringer gewordenen Zuschüsse von Land, Stadt und Kreis ausgleichen können. „Nun wurde aber eine Kapazitätsgrenze erreicht, die nicht mehr tragbar ist“, so Kratzert. Der Geschäftsführer sprach gar vom Scheidepunkt, an dem sich entscheide, ob die ambulante Betreuung der jungen Menschen fortgesetzt werden könne oder beendet werden müsse.

Als Modellprojekt 1980 gestartet widmet sich der Verein seit über 30 Jahren massiv straffällig gewordenen Jugendlichen in einer Einzelbetreuung, hält zudem Angebote zur sozialen Arbeit in Gruppen vor, um ihnen Grundlagen für ein Leben ohne Delikte an die Hand zu geben. Die Verpflichtung der Straffälligen, Angebote des Vereins wahrzunehmen, werden durch Richter angeordnet.

Zunächst etablierte Außenstellen für eine wohnortnahe Betreuung im gesamten Landkreis mussten angesichts der finanziell schwieriger werdenden Lage im Laufe der Jahre aufgegeben werden, auch die Anzahl der Stellen für Mitarbeiter musste von vier auf zwei zusammengestrichen werden. Nur, weil teils die Stellen noch auf mehrere Mitarbeiter aufgeteilt wurden, sei es möglich gewesen, das Angebot des Vereins aufrecht zu erhalten. „Wir müssen Jugendliche morgens aus den Betten holen, damit sie zur Schule gehen“, schilderte Kratzert. Zur Betreuung gehörten auch Einzelgespräche, Terminvereinbarungen mit Ämtern oder auch mit Gläubigern. Angesichts der aber immer weniger zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel ließe sich der damit verbundene zeitliche Aufwand kaum stemmen. Dadurch leide die Qualität der Arbeit, sagte Kratzert. Wie wichtig die Betreuung sei, lasse sich an den Erfolgszahlen zeigen. Die Rückfallquote bei Straffälligen liege bei bis zu 85 Prozent. Mit dem Projekt habe man sie auf 35 Prozent herunterschrauben können.

2013 erhielt der Verein vom Kreis 27 700 Euro, für 2014 hat er einen Bedarf von 40 000 Euro errechnet. Bei der Stadt bittet der Verein statt der in diesem Jahr gezahlten 20 700 Euro um 30 000 Euro. Sylvia Meier, Vorsitzende des kreislichen Jugendhilfeausschusses, erklärte am Mittwochabend, dass man während der Haushaltsberatungen über die Höhe der Zuschüsse entscheiden werde. Gleiches war auf AZ-Nachfrage auch aus dem Rathaus zu erfahren.

Von Norman Reuter

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