ZDF-Moderator Dirk Steffens will die Uelzener von artgerechter Tierhaltung überzeugen

Der Verbraucher muss entscheiden

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Warum er jetzt in Klein Süstedt Hühner mästet, hat ZDF-Moderator Dirk Steffens bei einem Besuch der AZ erläutert. Heute hofft er auf viele Neugierige bei seiner Infoveranstaltung „Fleisch essen mit gutem Gewissen“ im Uelzener Rathaus.

Klein Süstedt/Uelzen. Er hat Tigern und Schlangen in die Augen geblickt und erklärt den Zuschauern in der ZDF-Wissenschaftssendung „Terra X – Faszination Erde“ regelmäßig komplizierte Phänomene: Jetzt mästet Dirk Steffens Hühner.

2500 Küken hat er vor einer Woche in Empfang genommen. Auf einem Biobauernhof in Klein Süstedt will der 46-jährige Wissenschaftsjournalist sie großziehen. Warum er das tut, erklärt er den Uelzenern am heutigen Samstagnachmittag, 7. Juni, um 14 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses. „Fleisch essen mit gutem Gewissen“ lautet der Titel eines Experiments, das von einem Filmteam begleitet wird.

„Man kann nicht nur die Umwelt und die Tiere am anderen Ende der Welt schützen“, findet der Botschafter des World Wildlife Fund (WWF). 2,89 Euro, so wenig kostet das fertig gerupfte, ausgenommene und eingeschweißte Federvieh im Supermarktregal. „Alles ist teurer als ein Hähnchenfilet“, sagt Steffens, der jetzt in Wegeners Gasthof in Klein Süstedt wohnt. „Da stellt sich ein Journalist die Frage: Wie kann das sein?“ Wie viel ein Hähnchen kosten muss, das artgerecht aufgezogen wird, und wie viele Uelzener er davon überzeugen kann, dafür mehr Geld auszugeben, das will Steffens in seinem Selbstexperiment herausfinden. Es wird im Herbst ausgestrahlt.

35 bis 40 Tage lebt ein konventionelles Hähnchen, bevor es in den Schlachthof-Lkw geladen wird. Steffens’ Küken, die im Moment flaumgelb sind und sich unter der Wärmlampe zusammendrängen, haben 70 Tage Zeit, bis sie groß sind. Sie bekommen Biogetreide, können auf Strohballen flattern, die der Moderator persönlich in den Stall getragen hat, und können auf auf einer Wiese im Boden scharren.

Die Arbeit im Hühnerstall fällt ihm nicht schwer, weil er auf einem Bauernhof im Landkreis Stade großgeworden ist, betont der Moderator. Trotzdem ist er auf das Fachwissen des Biobauern angewiesen. „Ich bin kein Experte, ich bin sozusagen der Lehrling.“

Auf den Landkreis Uelzen fiel die Wahl nicht ohne Grund. Denn einerseits werden 54 Prozent aller deutschen Hähnchen in niedersächsischen Ställen gemästet, andererseits ist Uelzen überschaubar genug, um zu testen, wie viele Menschen der Moderator überzeugen kann. Sein Fleisch will er auf dem Wochenmarkt und in Geschäften der Uhlenköper-Stadt anbieten. Dafür ist er schon jetzt auf Werbetour.

„Es gibt ein Unbehagen über die jetzige Form der Hähnchenmast“, sagt Steffens – und stellt klar, dass er die konventionell wirtschaftenden Bauern nicht an den Pranger stellen will. „Ich glaube, dass wir Verbraucher entscheiden müssen“, findet der Vegetarier. Wie viele Uelzener er überzeugen kann, bleibt offen: „Ob die Leute die Hähnchen kaufen, ist mein persönliches Risiko“, sagt Steffens. „Ich habe auch ein bisschen Angst.“

Von Gerhard Sternitzke

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