Ausstellung für Uelzens Ehrenbürger Fritz Röver im Schloss Holdenstedt

Verbeugung zum Hundertsten

Die Büste Rövers wurde anlässlich des 100. Geburtstages von einem ungarischen Künstler erschaffen.

Uelzen-Holdenstedt. Wäre der Uelzener Ehrenbürger vor acht Jahren nicht – hoch betagt – gestorben, die Gratulanten zu seinem Hundertsten, den er am 6. März zu feiern gehabt hätte, wären zahlreich geströmt.

Aber auch zur Ausstellungseröffnung anlässlich dieses runden Geburtstages von Fritz Röver kamen viele Besucher in den ovalen Saal des Schlosses Holdenstedt. Der Museums- und Heimatverein würdigt das Leben und Wirken von Röver mit der Präsentation von Stücken aus seinem Nachlass.

Was war der Jubilar für ein Mensch? Uwe Harnack vom Museums- und Heimatverein muss sich sicher sein: „Geradlinig, korrekt, zuverlässig, manchmal auch eigensinnig“, lautet seine Antwort sofort. Wenn man hört, dass Röver seine alte Schreibmaschine unbedingt reparieren lassen wollte, obwohl die Zeit längst über deren beste Zeiten hinweg gegangen war, ist vor allem letzteres vorstellbar. Die „Olympia“ jedenfalls steht in der Ausstellung auf dem Sekretär, an dem Fritz Röver vielleicht geschrieben hat.

Geboren im Jahr 1912 in Uelzen, studierte er an der TH Berlin Architektur. Weil er die akademische Laufbahn für sich präferierte, wurde er danach wissenschaftlicher Assistent in Breslau. Dann kam der Krieg. Aus der Gefangenschaft kehrt Röver erst im Jahr 1948 zurück. Als sein Vater 1951 stirbt, muss er den Familienbetrieb, ein Baugeschäft, übernehmen. Röver war Ratsherr (1952 bis 1968), Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Museums- und Heimatvereins. Ihm ist es zu danken, dass ein erstes neues Heimatmuseum an der Lüneburger Straße nach der Zerstörung des alten ersteht. Der Diplomingenieur war Obermeister der Baugewerke-Innung, publiziert nebenbei in der Zeitschrift des Museums- und Heimatvereins, den „Uelzener Beiträgen“, über Zinngießerei und Goldschmiedekunst.

Zum Glassammeln, dessen Ergebnis das schönste und ästhetischste Vermächtnis bleibt, das er der Stadt zur Präsentation hinterließ, kam Röver als Student. In einer Vorlesung hörte er über Caspar Lehman, den Erfinder des modernen Glasschnitts. Auch ein Uelzener Sohn, einer mit Ruhm im 17. Jahrhundert bis heute. Dessen Nennung war die Initialzündung, der Gedanke, „darum muss ich mich kümmern“. Stücke von Caspar Lehman gibt es in den Museen zwischen Amerika und Prag; leider nicht in seiner Geburtsstadt.

Fritz Röver vermachte der Stadt insgesamt 724 Gläser, den Rest schenkte er dem Museums- und Heimatverein. Inzwischen wird diese Sammlung mit modernem Glas durch Ankäufe weiter ergänzt. Die Ausstellung im Schloss habe eine einfache Konzeption, sagt Dr. Ulrich Brohm, der Leiter des Museums. „Es geht darum, die Interessengebiete von Röver zu verdeutlichen.“ So stehen neben Silber und Zinn, altes Glas (ab 16. Jahrhundert) und neues Glas, Biografisches und im ovalen Saal hängen Bilder des Röver-Freundes seit Breslauer Zeiten, Hans Tintelnot. Übersichtlich beschriftet mit Textilfahnen haben die Ausstellungsmacher die Räume nicht überladen, so dass sich jeder Besucher einen Eindruck machen kann über Fritz Röver. Einen Ehrenbürger Uelzens, Namenspatron für eine Straße, den 100-jährigen Jubilar.

Von Barbara Kaiser

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