Polizei kritisiert Respektverlust / Verstärkte Präsenz bei Fußballspielen

Uelzener Ordnungshüter: Verbale Gewalt nimmt zu

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Auch Uelzener Polizeibeamte beobachten die Vorgänge rund um ihre Kollegen in der Hansestadt und nehmen die Situation zum Anlass, über die eigene Sicherheit der Polizisten nachzudenken.

Uelzen. Krawalle und Attacken auf Polizeibeamte haben in Hamburg eine hitzige Diskussion um Personenkontrollen in einem Gefahrengebiet in Altona, St. Pauli und dem Schanzenviertel ausgelöst.

Auch Uelzener Polizeibeamte beobachten die Vorgänge rund um ihre Kollegen in der Hansestadt und nehmen die Situation zum Anlass, über die eigene Sicherheit der Polizisten nachzudenken. In der Region Uelzen sei ein „Respektverlust“ gegenüber Polizeibeamten zu spüren, betonen Ralf Munstermann, Leiter des Streifendienstes, und Polizeisprecher Kai Richter.

Übung an einem Metronom-Zug in Uelzen

„Die Distanz ist nicht mehr wie früher gegeben“, erklärt Munstermann. Das hänge meistens mit dem Konsum von Alkohol und Drogen oder mit psychischen Erkrankungen zusammen. Dann sei das Gegenüber schlecht einzuschätzen und reagiere unberechenbar. „Wir schützen uns davor, insbesondere die Jüngeren, durch die Körperschutzausstattung.“ Zudem würden die Mitarbeiter für das Verhalten in plötzlichen Extremsituationen geschult.

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Beamte müssten sich darauf einstellen, dass Gespräche mit Bürgern plötzlich ausarten können. So war im vergangenen August ein Mann in Brockhöfe mit einem Hammer auf die Polizei losgegangen. Und im Juli war bei einem Einsatz am Mühlenweg ein Polizeibeamter von einem Betrunkenen am Ohr verletzt worden. Insgesamt verzeichnete die Polizei aus dem Landkreis Uelzen im vergangenen Jahr 22 Fälle von Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte. In dieser Statistik werden jedoch keine Fälle aufgenommen, bei denen die Polizei angegriffen wird, ohne dass die Beamten gegen jemanden vorgehen wollten. Im Jahr 2012 wurde 30 Mal Widerstand geleistet, 2011 waren es 25 Mal.

Übung: Bundespolizei Uelzen schlägt Aufstand nieder

„Die verbale Gewalt nimmt teilweise auch extreme Formen an“, sagt Munstermann. Die Ausdrücke, mit denen die Beamten beschimpft würden, könne man nicht wiederholen. „Ich bin froh, dass Staatsanwaltschaft und Gerichte mitziehen und Delikte gegen Polizeibeamte konsequent verfolgt werden, auch wenn es um Beleidigungen geht.“

Die Polizisten hätten es oft mit „ungehörigem Verhalten und mangelndem Respekt“ zu tun, bestätigt auch Kai Richter. „Es ist so, dass diese Schwelle immer weiter heruntergestuft wird.“ Als Beispiel nennt er Situationen, in denen Menschen aus geringer Distanz Polizeibeamte anbrüllen. So etwas sei „auch in der Region Uelzen gang und gäbe“.

Eine weitere Veränderung kommt auf die Polizei hinzu: Voraussichtlich werden Uelzener Polizeibeamte auch häufiger bei Fußballderbys eingesetzt werden, wenn in Niedersachsen Spiele an verschiedenen Orten anstehen und die Bundespolizei somit Verstärkung braucht. Dann müssten die Polizeibeamten aus Uelzen auch weiter fahren. „Die Stunden, die wir da verbringen, fehlen hier“, erklärt Munstermann. Wenngleich er Uelzen noch als „heile Welt“ bezeichnet, stellt er somit fest, kommen solche Trends wie Krawalle bei Fußballspielen eben auf diese Weise dann doch auch in Uelzen an.

Die Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

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