Ex-Streckenplaner Rudolf Breimeier schlägt neue Variante vor

Vater der Y-Trasse verstößt sein „Kind“

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Rudolf Breimeier hat vor 20 Jahren die „Y-Trasse“ konzipiert. Jetzt hat er eine neue Lösung für die Hafen-Hinterland-Anbindung.

Bad Bevensen/Landkreis. Rudolf Breimeier sagt: „Die Y-Trasse ist mein Kind.“

1990 hat er für die Deutsche Bahn in der damaligen Zentrale des Unternehmens in Frankfurt am Main jene Lösung für eine bessere Hafen-Hinterland-Verbindung konzipiert, die über zwei Jahrzehnte die Menschen im Raum Waldsrode aufrieb. Heute lebt Breimeier als Pensionär in Bad Bevensen. Damit in einem Landkreis, der in der Frage der Hafen-Hinterland-Anbindung an Bedeutung gewonnen hat. Mit dem Widerstand im Raum Waldsrode wurden Alternativen erarbeitet. So könnte eine Neubautrasse im Landkreis Uelzen entstehen, Widerstand regt sich auch dagegen schon deutlich. Breimeier bekommt das hautnah mit. „Seine Y-Trasse“ holt ihn ein.

Die jetzt diskutierten Alternativen, so Breimeier, seien nicht neu. Bereits bei der Konzeption der Y-Trasse habe es auch Überlegungen beispielsweise für eine Trasse von Harburg Richtung Südosten gegeben, die vergleichbar mit den heutigen Bypass-Lösungen an Uelzen und Lüneburg vorbei seien. „Ist alles untersucht und alles verworfen worden“, so Breimeier.

Die Y-Trasse sei aus betriebswirtschaftlicher Sicht damals die beste Lösung gewesen. Sie hätte mehr Kapazität im Güterverkehr wie auch im Personenfernverkehr geschaffen. Mehr Kapazitäten auf den Gleisen und schnellere Verbindungen bedeuteten mehr Einnahmen.

Über Jahre wartete Breimeier vergebens auf den Bau des Ursprungs Y, hielt, wie er schildert, bewusst die Füße still, um das Projekt nicht zu gefährden, auch wenn er schon eine bessere Lösung für die Hafen-Hinterland-Anbindung im Kopf hatte. Jetzt mit der Diskussion um Varianten, ist für ihn die Stunde gekommen „sein Kind“ zu verstoßen. Auf Einladung des Verkehrsclubs Deutschland hat er in dieser Woche im Beisein von Bahnvertretern und Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies in Hannover eine völlig neue, von ihm erarbeitete Vari-ante präsentiert: einen Ausbau der Strecke Bremerhaven-Wulsdorf-Buchholz-Lüneburg-Dannenberg-Wittenberge für den Güterverkehr. Die Route war Bestandteil der im vorletzten Jahrhundert als zweigleisige Fernbahn konzipierten „Auswanderer-Linie“ von Bremerhaven nach Berlin, wurde abseits der Dörfer trassiert und könnte für den rollenden Verkehr erweitert werden. Als die bessere Lösung bezeichnet der 76-Jährige seine Idee, weil sie nicht nur durch verhältnismäßig dünn besiedeltes Gebiet, sondern auch Richtung Osten führt. Vor 20 Jahren seien die heute bestehenden Güterflüsse in Richtung Süd-Ost nicht abzusehen gewesen. Seine neue Variante gebe darauf die Antwort. Beim VCD-Kongress in Hannover habe er als Reaktion zu hören bekommen, dass nicht immer weitere Varianten hinzugefügt werden könnten. Breimeier entgegnet: Jetzt wo die Stunde Null bei der Hafen-Hinterland-Anbindung sei, müssten solche Gedankenspiele zulässig sein. Er spricht sich aber auch dafür aus, dass schnell die Hafen-Hinterland-Anbindung verbessert wird. Denn die Gütermengen würden zunehmen. Und: „Auf den Gleisen können sie ökologischer als auf der Straße transportiert werden.“

Von Norman Reuter

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